Tanzender Stern

clausAllgemein

Du musst noch Chaos in dir tragen…

„Es ist an der Zeit, daß der Mensch sich sein Ziel stecke. Es ist an der Zeit, daß der Mensch den Keim seiner höchsten Hoffnung pflanze. Noch ist sein Boden dazu reich genug … Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht mehr den Pfeil seiner Sehnsucht über den Menschen hinaus wirft, und die Sehne seines Bogens verlernt hat, zu schwirren … man muß noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“
Friedrich Nietzsche

Es ist ja nicht so, als würden wir unsere Möglichkeiten nicht gelegentlich erkennen. Doch viel zu selten wagen wir den Sprung ins Ungewisse und versagen es uns, den Pfeil der Sehnsucht über uns hinaus zu werfen. Dabei stehen wir doch in ultimativer Freiheit, und zwar jederzeit. Diese Freiheit kann durch nichts in Frage gestellt werden, denn ihr Ursprung ruht in dem, was wir das Metaphysische nennen. Und dorthin richtet sie sich auch, genau wie die Sehnsucht, die uns im Letzten immer über uns hinaus in den Unendlichkeitsraum ziehen möchte…

Beide, die Freiheit und die Sehnsucht wurden bislang zumeist auf das Endliche hin gedacht und auf ein Ankommen und eine Sicherheit innerhalb der Strukturen des Überkommenen. Dort aber gibt es eigentlich nichts mehr zu suchen und noch viel weniger zu finden. Deshalb pflanze den Keim der höchsten Hoffnung genau da inmitten hinein, ruft Nietzsche uns zu. Dann bricht das Erstarrte und unsere Möglichkeiten so krass Demütigende auf, öffnet sich ein entgrenzter Raum, in dem wir allem Leben und uns selbst neu begegnen. Dorthin, da bin ich mir sicher, sollen wir uns aufmachen und die Haut und das Gewand des alten Adam und der alten Eva abstreifen und hinter uns lassen. Nichts anderes lehren uns die großen Propheten und Religionsstifter Jesus und Buddha und die große Zahl der ihnen folgenden Lehrer und Lehrerinnen dessen, was wir Weisheit nennen. Das geht nicht ohne Mut. Aber was gäbe es zu verlieren, verglichen mit dem, was wartet und was Friedrich Nietzsche einen tanzenden Stern nennt… Und Mut ist doch nichts anderes, als sich ernst zu nehmen und nicht hinter das zurückzufallen, was wir einmal als richtig erkannt haben.