Denken sprengt alles

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Denken sprengt alles

Aus der Kraft des Geistigen geben wir uns selbst die Freiheit das zu werden, was an Möglichkeiten in uns ruht. Mit der Wahrnehmung dieser Freiheit treten wir ein in das utopische und visionäre Denken. So nehmen wir das Zukünftige gedanklich vorweg. Der Gedanke allein schon führt zur Wandlung und Verwandlung. Gedanken schaffen Wirklichkeit, stellen wirkende Tatsachen her. Was andererseits nicht erkannt und durchdacht oder zumindest bewusst ersehnt ist, geht als Möglichkeit entweder verloren oder es muss auf dem Weg zu seiner Verwirklichung physisch und psychisch durchlitten werden. Das lehrt unsere Vergangenheit.

Die Energie des visionären Denkens bewirkt die notwendige Erweiterung unseres Bewusstseins: der Person, der Kultur, der Spiritualität und der Politik. Sie allein vermag die Menschheit schließlich vom Ich zum Du und zum Wir zu führen; vom kleinen Kollektiv zur planetarischen Gemeinschaft; und über die Nächstenliebe auch zur Fernstenliebe. Als Leitstern steht eine Erde, in der das Leben – und der Mensch nun inbegriffen – sich in Harmonie mit sich selbst befindet.

Die Feststellung von Karl Marx, dass das Sein das Bewusstsein präge, hat ihre Gültigkeit zwar nicht verloren. Doch gilt eben auch der Umkehrschluss, dass die Kräfte des Bewusstseins das Sein gestalten und verändern können. Das Denken führt in die Bewältigung des Gegebenen und Gewordenen. Und es führt weit darüber hinaus, wenn wir die Jahrhunderte alten Fesseln abstreifen, mit denen es sich selber lähmt. Eine neue und größere Wahrheit von Leben und Menschsein zieht uns. Sie steht in untrennbarer Einheit mit der Sehnsucht nach Vollendung. Heute äußert sich diese Sehnsucht nicht nur in die Richtung einer äußeren Verwandlung der Welt, sondern auch als ein tiefes metaphysisches und spirituelles Bedürfnis, als der Wunsch, die Dinge von der Erlösung her zu betrachten. Die Worte von dem Mitbegründer der kritischen Theorie, Theodor W. Adorno, aus der Nachkriegszeit, klingen da geradezu atemberaubend aktuell:

„Erkenntnis hat kein Licht, als das von der Erlösung her auf die Welt scheint: alles andere erschöpft sich in der Nachkonstruktion und bleibt ein Stück Technik. Perspektiven müßten hergestellt werden, in denen die Welt ähnlich sich versetzt, verfremdet, ihre Risse und Schründe offenbart, wie sie einmal als bedürftig und entstellt im messianischen Lichte daliegen wird. Ohne Willkür und Gewalt, ganz aus der Fühlung mit den Gegenständen heraus solche Perspektiven zu gewinnen, darauf alleine kommt es dem Denken an.“

Für diese Neuentdeckung und Neuerkundung des Denkens benötigen wir eine bislang so nicht gekannte Mischung aus intellektueller Offenheit, empathischer Weltwahrnehmung, spiritueller Beheimatung und visionärer Kraft.

Zum eigenen Denken zu finden und zum eigenen Erkennen, stellt die eine Seite des inneren Wachstums dar. Das Erkennen ins tätige Leben zu führen aber macht das Werden erst ganz. Das Verhalten stützt und schützt die Idee. Im Tun und nicht nur im inneren Durchleben werden Ahnungen zur Gewissheit und Zweifel zur neuen Chance.

Diese Arbeit des Menschen an sich selbst ist die Revolte gegen ein Sein, dessen Mangel sich auch in der einzelnen Person und ihres Lebens ausdrückt. Diese Auflehnung zieht ihre Begründung aus sich selbst, als Grundsatz der Würde eines sich als frei und zur Entwicklung befreit verstehenden Menschen. Selbstverständlichkeiten stellt sie immer wieder in Frage, hält ihnen gegenüber Wahlmöglichkeiten im Spiel. Sie verneint eine sich in ihre Mächtigkeit ergebende Gegenwart zugunsten einer Zukunft, die sich als experimentell versteht. Ja manchmal vertraut sie sogar einer bloßen Idee…..