Befreiung!

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Befreiung!

 

Mit Albert Schweitzer können wir sagen: Gut ist, was das Werden, die Entwicklung fördert. Böse ist, was Leben an der Entfaltung hindert und es blockiert. Auf die Werdens-Orientierung ist unsere Einzigartigkeit als Mensch verwiesen. Sie stellt uns als mit allem Leben Verbundene in die grenzenlose Weite des Erschaffenen überhaupt. Hier sind wir frei, und wenn etwas unsere Entwicklung und Entfaltung behindert, dann jene Sicht- und Verhaltensweisen, die uns zu Sklaven unserer objektiven und unserer selbstverantworteten bzw. konstruierten Grenzen machen. Sehe ich mich als Teil des höchsten Ganzen, nehmen mir auch die Grenzen, in denen ich lebe und leben muss, nichts von meiner kosmischen Freiheit und damit Entwicklungsfähigkeit. Sein zu wollen, was wir an sich sind, heißt Befreiung aus selbstverschuldeter Eingrenzung. Der 1997 verstorbene christliche Philosoph Josef Pieper spricht von der Befreiung aus der Acedia. Gemeint ist damit jene geistige Trägheit, die als die siebte der Todsünden bekannt ist. Es geht hier um die Befreiung aus der Verzweiflung einer Schwachheit, in welcher der Mensch seiner ihm beigegebenen Größe ausweicht. Oder um es mit dem dänischen Religionsphilosophen Sören Kierkegaard zu sagen: Ein Mensch will verzweifelt nicht er selber sein…
Vieles im Leben eines Menschen besteht aus oft unhinterfragten Routinen und Gewohnheiten. Nicht selten führen sie in eine Spirale, in der wir uns selbst immer ähnlicher werden, uns immer mehr dem angleichen, was wir uns an Rahmen selbst gezimmert haben. Dieser schleichende Selbstmord lässt verharren und verhärtet. Er raubt Zukunft durch Entzug von ihren Möglichkeiten. In der Aufgabe von Selbstwiederholungen, Selbstangleichungen und sich selbst bestätigenden Routinen, Ritualen, Einsichten und Urteilen liegt somit der erste und bedeutende Schritt zum Werden in Verwandlung und Entwicklung. Zu diesem Schritt gehört die teilweise Überwindung unserer eigenen Geschichte mit hinzu – auch wenn wir in der Geschichte unserer Beziehungen und Bezüge, unserer Möglichkeiten und Behinderungen eingebunden bleiben. Aber ich bin nicht in erster Linie, was ich war und woher ich komme, sondern was ich zu werden im Begriff bin und wohin der Stern der Sehnsucht mich zieht. Ich bin der, der auf dem Weg ist, auf dem Weg zwischen schon Jetzt und noch Nicht. Das ist meine Berufung.