Das Narrenschiff

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Das Narrenschiff

Mit der Moralsatire „Das Narrenschiff“ hielt Sebastian Brant (1494) seinen Zeitgenossen den Spiegel vor und erinnerte sie daran, dass wenn die alten Schriften und Lehren verachtet werden, „die ganze Welt in finstrer Nacht“ zu leben verurteilt ist. Reinhard Mey hat 2016 das Thema in einem Lied aufgegriffen, in dem es unter anderem heißt:

Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm,
Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm
Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine.
Und rollen und Stampfen und schwere See,
Die Bordkapelle spielt „Humbatäterä“

Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten.
Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum
Und Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum,
Doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten!

Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.

Anders als in diesem Text vermag ich das Koalitionsbildungsschauspiel und den damit verbundenen selbstgerechten Dünkel nicht zu deuten. „Modernisierung“, „Digitalisierung“, „Wachstum“ – das Gift der alten Welt wird zum Heilmittel für die Zukunft ausgegeben. Der Gerechtigkeitsbegriff ist auf Verteilungsfragen unter den Menschen und auf besseren Konsum für alle hin kastriert. Das Leben an sich, die Erde, die Tiere, die Pflanzen, die Elemente…gnadenlos ausgeblendet. Ein anderer Begriff als ‚zutiefst beschämend’ fällt mir einfach nicht mehr ein.