Letzter Grund

clausAllgemein

Letzter Grund

Worin gründen eigentlich unsere Maßstäbe?

Woher kommt die Orientierung?

Auf welchem Fundament bauen wir unser Leben?

Lassen wir einmal die selbstverständlichen Faktoren wie Kultur, Erziehung, Sozialisation beiseite, stellt sich die Frage nach dem eigenen Seins- und Wesensgrund. Es ist die Frage nach der Quelle in uns, nach der Ursprungskraft, jenseits aller externen Prägungen. Woraus also können wir auch dann noch schöpfen, wenn die äußeren Koordinaten und das auf sie bezogene Innen des Menschen sich auflösen, kollabieren oder uns entgleiten? Dann sind wir auf uns selbst geworfen und werden erinnert, immer wieder ganz neu und ganz unten, ganz tief anzufangen. Es geht hier um den Ort, in dem wir ruhen, in dem jeder Mensch ruhen kann, wenn er bereit ist, sich bedingungslos anzuvertrauen und dem Unsagbaren hinzugeben. Dies setzt Stille voraus und sie zuzulassen; und die Stille hinter der Stille, aus der nur noch das nackte Sein spricht. Wir nennen das auch Kontemplation, Einswerden mit dem Innersten, dem Heiligsten und damit mit dem Sein an sich. Es ist ein Übungsweg, ein täglicher. Er lässt dich ankommen, bedingungslos, ohne dich begründen und rechtfertigen zu müssen. Hier findest du Lebensnahrung aus den Quellen, die nie versiegen. Nenne es den göttlichen Urgrund, die Tiefendimension der geistigen Welt, die Begriffe sind gleichgültig… Entscheidend ist, den Zugang zu dem Land zu finden, in dem wir die Heimat spüren, die auch dann noch bleibt, wenn das Irdische vergeht.

Gestern, am 28. Januar vor 150 Jahren, ist Adalbert Stifter gestorben. Er schreibt zur Stille:

Es gibt eine Stille,
kennst Du sie?
in der man meint,
man müsse die einzelnen Minuten hören,
wie sie in den Ocean der Ewigkeit hinuntertropfen.

Der kontemplative Erfahrungsweg verändert das Leben grundlegend, Grund legend. Die sogenannte Welt begegnet uns dann in neuem Gewand. Und gleich auch, was sich nun ereignet, dieser Grund trägt.

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Reaktion einer Leserin auf den Beitrag:

Wenn Du einmal an diesem Punkt warst, dass absolut gar nichts mehr im Außen trägt und Du Dich in Deinem Menschsein wirklich nur noch bedingungslos der Stille hinter der Stille anvertrauen und hingeben kannst – dann wird aus dieser Erfahrung heraus das Leben nie wieder das Gleiche sein, sondern getragen von einer so tiefen Sehnsucht und Liebe, verglichen mit welcher das Davor mehr wie eine Ahnung zu sein scheint. Und genauso wird die Stille, die vorher bestimmt auch ein liebgewonnenener Begleiter war, von da an nochmal ein ganz andere Ort sein und bleiben, grund(-)legend….Vielleicht ist es das, was Auferstehung meint.