Ich gehe den ersten Schritt

clausAllgemein

Ich gehe den ersten Schritt…

Vorwürfe zunächst einmal zu ertragen (Blog vom26.3.), konfrontiert Dich und konfrontiert mich mit unseren jeweiligen Anteilen, die zum Aussprechen eines Vorwurfs geführt haben. Ich stelle mich meinen Feindbildern, meinen Projektionen und Emotionen. Ich spüre in mich hinein und beruhige das Aufgewühlte, bis der innere Blick wieder klar wird. Dann wieder neu auf Dich zuzugehen, will zart und behutsam aufgebaut werden. Es will innerlich wachsen, bevor der notwendige erste Schritt erfolgt. An ihm führt allerdings kein Weg vorbei. Wahrhaftigkeit in der Aussage und eine geistige Haltung des Nichtverletzens tragen ihn.

Das Evangelium des Matthäus: „Wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder…Vertrage dich mit deinem Gegner sogleich, solange du noch mit ihm auf dem Weg bist.“ (5, 23 – 25)

Wäre Abel doch auf seinen von Neid geplagten und zerfressenen Bruder Kain zugegangen. Vielleicht hätte dieser dann den Stein, mit dem er ihn tötete, nie erhoben. Vielleicht wäre dann ja die Geschichte der Menschheit anders verlaufen…

Wo Fronten beginnen sich zu verhärten, helfen nur Kontaktaufnahme, die unbedingte Annahme des Gegenübers und die Bereitschaft zur Lösung des Konflikts. Ob ich den ersten Schritt tue, sollte weder von den Chancen zur Konfliktlösung abhängig gemacht werden, noch von der Frage, ob ich mich im Recht oder im Unrecht sehe. Vor allem aber: Aus der Verantwortung, mit dem Versöhnungshandeln zu beginnen, kann nichts und niemand mich herausnehmen. Es ist eine Bringschuld der Liebe, ein Gebot der Vernunft und der Grundsatz jeglicher Diplomatie. Nicht zuletzt nähere ich mich im Schritt zu auf den anderen auch mir selber und befreie mich von Gedanken und Empfindungen des Haderns oder gar des Hasses, die mich besetzt halten. Der erste Schritt, den ich mit Klarheit und Entschiedenheit gehe, wird mich schließlich immer wieder stärken und in einer grundlegenden Zuversicht halten. Es ist so, als würde sich dann vor mir auf einmal der Vorhang der Ermöglichung weit öffnen….