Vertrauen?

clausAllgemein

Vertrauen?

Vergebungs- und Versöhnungshandeln kann ohne Vertrauen nicht gedacht werden. Es sind Vertrauen und der fortwährende Mut dazu, die unermüdlich aus den Trümmern zwischenmenschlichen Scheiterns aufragen und mit denen wir Enttäuschungen überwinden. Nur wo gegenseitiges Vertrauen herrscht, haben Versöhnungsgesten die Chance, wahrgenommen und angenommen zu werden. Denn erst durch Vertrauen entsteht der Raum für gegenseitige Erfahrungen, die wiederum neues Vertrauen schaffen können. Wenn wir uns, etwa aufgrund schlechter Erfahrungen, gegenseitig nicht trauen, bestimmen Unsicherheit und Zweifel weiterhin das innere Empfinden und das äußerliche Handeln. Überall lauern dann in unserem Bewusstsein mögliche Konflikte und möglicher Verrat. Im Vertrauen lassen wir einen Teil von uns los und verzichten auf den Drang zu kontrollieren. Es entsteht eine neue Sicherheit, die nicht auf Beweisen gründen kann. Das hat viel mit Hingabe zu tun. Der Mensch löst sich aus der Zwangsjacke nagenden Zweifels, bringt dem Du Vertrauen entgegen und spricht es aus. Er bekennt sich damit zur Potentialität des anderen und spricht ihm diese zu.
Vertrauen, auch Selbstvertrauen, richtet sich auf verschiedene Eigenschaften. So gestehe ich die Fähigkeiten zu, ein Versprechen zu erfüllen oder einem Anspruch gerecht zu werden. Hinsichtlich der Verlässlichkeit gehe ich davon aus, dass Worte und Handlungen übereinstimmen. Aufrichtigkeit lässt sich mit Ehrlichkeit, Integrität und Authentizität umschreiben und Engagement meint, dass ein wahrhaftiges und handlungsorientiertes Interesse an dem gemeinsamen Prozess besteht.

Vertrauen hat jedoch auch eine noch tiefere Dimension. Letztendlich geht es, durch die eingebundenen Menschen hindurch, um das Vertrauen in den Heilsplan der Schöpfung und des Lebens selbst. Und hier beginnen in der Gegenwart die Herausforderungen, ja Zumutungen. Die Weltzeitstunde, in der wir leben, konfrontiert uns ja mit der selbstverschuldeten Infragestellung der Lebensbedingungen auf unserem Heimatplaneten und damit mit dem immer wahrscheinlicher werdenden Suizid unserer Gattung. Worauf soll sich hier noch Vertrauen richten? Auf eine allmächtige Gottheit, die alles wieder barmherzig richtet, was wir verschleudert und zerstört haben? Eine solche billige, narkotisierende Naivität sollten wir nicht einmal andenken!
Sicher, es geht nicht ohne ein letztes metaphysisches Vertrauen in das Unerkannte und nicht Voraussehbare, ein Vertrauen damit auch in den Wesenskern dessen, was wir das Göttliche nennen. Und es geht nicht, ohne Ereignisse und Kategorien zumindest hoffend im Spiel zu halten, die wir Wunder oder das völlig Überraschende nennen. Das gebietet schon alleine jene menschliche Kardinaltugend, die den Namen Demut trägt…

Doch darüberhinaus werden wir keine Chance haben, ohne ein Urvertrauen in unsere eigene Fähigkeit und Bereitschaft zur radikalen und konsequenten Umkehr. Das meint die bedingungslose liebende Zuwendung zum Leben, nicht nur unseres eigenen, und das entsprechende Tun im Alltag…. Viel spricht nicht für solches, auf die Menschheit oder auch nur unser Land hochgerechnet. Vertrauen meint dann: Trotzdem!