Wahre Ethik ruht in freier Spiritualität

clausAllgemein

Wahre Ethik ruht in freier Spiritualität

Das Scheitern ethischer Konzeptionen, die abgekoppelt sind von einem spirituellen Weltzugang, ist vorbestimmt und unvermeidbar. Sie zerbrechen letztlich an einer unerbittlichen Welt, die verfangen ist in Eigeninteressen.
Wie oft wird Ethik lediglich als Reaktion auf menschliche Unzulänglichkeiten und als Abwehrmechanismus gegen individuelle, soziale und gesellschaftliche Fehlentwicklungen angesehen. Doch diese Ethik des Vorläufigen entbehrt dann jenes Sinnhorizonts, der über die Mauern des Gegenwärtigen und Aktuellen hinausweist. Ihr fehlt die Begründung über die Zeiten hinweg. Vor allem kennt und erkennt sie nicht den Impuls des ganzen Lebens, in dem Menschliches, Geistiges und Göttliches sich verbinden. Ihre Heimat ist das bloße So-Sein im Hier und Jetzt. Dessen Grenzen sind ihre Grenzen. Und an diese stößt sie jederzeit.

Doch auch ein Ethos, das sich zwar spirituell nennt und begründet sieht, muss scheitern, wenn es sich in der Engführung, Abgrenzung und Unerbittlichkeit eines religiösen Systems erschöpft. Jegliche Fundamentalismen der Gegenwart – gleich aus welcher Tradition sie stammen – sind dafür beredte Zeugen. Spiritualität als personal und/oder gemeinschaftlich gelebte Gottessehnsucht benötigt einen weiten Entfaltungs- und Entwicklungsspielraum. Sie ist ein Kind der Freiheit. Wo diese Freiheit fehlt, sollten wir eigentlich nicht von Spiritualität, Geistgeleitetheit, sprechen. Denn auch Ethik verkümmert in der Folge zur angstbesetzten oder überheblichen, sprich blinden Moral.

Es gilt also wohl der Satz, dass Ethik und Sittlichkeit der spirituellen Umsetzung bedürfen, um nicht von der Tiefe des Lebens entfremdet zu werden oder sie gar zu verlieren. Es gilt gleichzeitig aber auch, dass eine ganzheitliche Ethik, die sich geborgen sieht in einer ganzheitlichen Spiritualität, eine freie Ethik ist. Denn Ganzheitlichkeit meint Freiheit, meint Prozess, meint Entwicklung.

In der Verschmelzung von Spiritualität und Ethik verschmilzt die Sehnsucht nach dem Unendlichen, nach dem Grundimpuls des Seins und Werdens mit den Erfordernissen, Möglichkeiten und Sehnsüchten in der Zeit. Aus einer spirituell beheimateten Ethik spricht eine grundlegende Lebensbejahung. Dadurch erhält unsere innere Stimme, unser Gewissen, erst ihren vollen Klang. Sie macht aus dem kleinen Ich ein mit dem Leben vernetztes Selbst. Diese Einheit allein kann in ein inneres Gleichgewicht und in einen inneren Frieden führen, der dann auch den äußeren nach sich zieht.