Sternenwelt und Lebensraum

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Der Sehnsuchts- und Unendlichkeitsdrang zieht unseren Blick zu den Sternen. Die Augen wandern in Fernen, die etwas Geheimnisvolles versprechen. Du meinst zu spüren, dass du in deine Heimat schaust, dass dich das anzieht, woher du kommst.

Manche Visionäre sehen die Zukunft der Menschheit in den Weiten des Alls, auf anderen Planeten, wenn wir die Bedingungen für Leben auf der Erde vernichtet haben; durch Raubbau an Allem, durch eine zügellose Vermehrung, durch Gedankenlosigkeit und vor allem fehlende Liebe zu dem, was uns trägt. Sie mahnen uns, so wie Stephen Hawking es noch kurz vor seinem Tod am 14. März dieses Jahres tat, frühzeitig nach (Antriebs-) Wegen zu suchen, um Aufbruch und Abschied vorzubereiten.

Doch die Sehnsucht ist das Eine, verstärkt durch das geheimnisvolle Blinken aus einem zutiefst geheimnisvollen Universum. Dieses Universum jedoch, würden wir leibhaftig darin eintauchen, ist für uns Menschen kalt, unwirtlich, leer, in einer endlosen Weite…Wir haben neben Mutter Erde keine zweite Mutter, die so für uns sorgt. Und so muss Stephen Hawking, dem großen Geist, an dieser Stelle unmissverständlich widersprochen werden.

Wir können nicht leben ohne Wärme, nicht ohne Nähe, nicht ohne Berührung, nicht ohne Luft und nicht ohne Wasser und ohne Sonne, die uns wärmt, aber nicht verbrennt. Wir können nicht leben ohne die Tiere, die Pflanzen, die Elemente, die Schönheit dessen, was wir Schöpfung nennen. Die Erde ist zwar nicht für uns gemacht; sie war schon Milliarden Jahre, bevor wir kamen. Und sie wird noch Milliarden Jahre sein, wenn wir schon lange wieder gegangen sind. Doch wir sind aus Erde gemacht, sind Erde durch und durch, in jeder Zelle unseres Leibes.

Vor allem aber: Da „draußen“ ist kein Gott, kein Engel, keine dich tragende geistige Welt. Das auf der Erde wahrzunehmende Göttliche selbst lebt von dem kosmischen Grundsatz der Resonanz. Es entsteht und ist spürbar nur dort, wo es in Resonanz mit dem steht, das es ersehnt, erspürt, erahnt, erhofft, erfleht, erliebt…

Der große christliche Mystiker und Evolutionsforscher Teilhard de Chardin (1881 – 1955) sprach begründet von der Noosphäre, der geistigen Sphäre, die den Erdball umgibt wie die Atmosphäre; sie nährt unsere Sehnsucht, unser spirituelles und kulturelles Wachstum, unseren Entwicklungs- und Verwirklichungsdrang. Doch diese geistige Sphäre ist eine Geburt der Evolution, untrennbar verbunden mit der Symbiose irdischer, menschlicher und transzendenter Energien.

Unsere Unendlichkeitssehnsucht ist mit unsere kostbarste Wesenheit, gerade auch, wenn sie im Blick zu den Sternen einen besonderen Ausdruck findet. Es vergeht kein Abend, keine Nacht, in denen ich nicht diesen Sog verspüre und den Blick zum Himmel führe. Manchmal kann dir nur dieser Blick Entlastung schenken von der Konfrontation mit dem, was Hermann Hesse in „Narziß und Goldmund“, letztgenannten sagen lässt:

Nichts sahen sie, diese Menschen,
nichts merkten und wußten sie,
nichts sprach zu ihnen!
Einerlei, ob da ein holdes Tier vor ihren Augen verreckte…
nichts sahen sie, nichts ergriff sie!
Hoffnungslos und sinnlos und furchtbar erscheint Goldmund alles, bis ihm

plötzlich eine Freude aufblüht…im Riechen einer Blume, im Spielen mit einer Katze…
bis in ihm

das kindliche Einverstandensein mit dem Leben wieder zurückkehrt.

Dann, so mag man nun sagen, erwächst auch das Einverstandensein mit unserem Sein auf der Erde, dem Ort, der uns gegeben und uns anvertraut wurde. Und dann ersteht zugleich die Gewissheit: Es rettet uns keine Flucht, kein Drang zur Überwindung dessen, was uns einst als Paradies übergeben wurde. Es rettet uns nur die Hingabe an das Leben, der bedingungslose Kampf für die Schönheit, die Würde und Erhabenheit des Seins. Und der Blick zu den Sternen behält dann seine geheimnisvolle Kostbarkeit. In ihm erhalten wir die Sehnsucht nach dem Größeren und Unfasslichen; in ihm stellen wir uns unserer Polarität: ganz Kind der Erde und zugleich Kind des Universums zu sein.

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