Dein Lebenshauch – die Seele

clausAllgemein

In einer rationalisierten und erkalteten Kultur kann man über Körper, Geist und vielleicht das Herz sprechen, ohne sich weiter begründen zu müssen. Doch „Seele“ ist uns weitgehend entschwunden. Was immer das denn sei, es ist zu unspezifisch, nicht greifbar und beweisbar, ein Relikt aus vorwissenschaftlicher Zeit. Aus diesem Verständnis spricht das so weit verbreitete Bewusstsein, dass nur das sei und existiere, was auch mit den gegenwärtig zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Methoden, Verfahren und Logiken zu beweisen ist. Einem solchen kastrierten Wirklichkeitsverständnis widerspricht der Erfahrungs- und Bewusstseinsraum eigentlich aller Kulturen – von der Antike bis in die Gegenwart.
Aber was meint das – Seele…?

Oft wird sie mit „Psyche“ gleichgesetzt. Das macht nur Sinn, wenn wir uns an der Ursprungsbedeutung und nicht dem modernen klinischen Verständnis von Psyche orientieren – nämlich als dem Lebensprinzip alles Seienden, was etwa auch das lateinische „anima“ zum Ausdruck bringt. Sie ist das „Pneuma“, der Lebenshauch. Das Hebräische spricht von „Ruach“, dem allem innewohnenden göttlichen Lebenshauch, hier als weibliche Wesenheit. Seele, so verstanden, kann als das in den Lebensprozess Eingegebene, Eingehauchte verstanden werden. Sie ist der unvergängliche Atem des Werdeprinzips, das wir auch das Göttliche nennen. Dieser in uns ruhende und wirkende Hauch hält die Verbindung zum Urhauch, dem er entstammt.

„Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus.“
Dieser beliebte Spruch in Todesanzeigen weist uns auf etwas Wesentliches hin: Die Seele ist grenzenlos – und sie lebt wohl im Menschen, aber ihr Wesen greift weit darüber hinaus.

Während der Geist kulturell geprägt ist, hat die Seele eine unbewusste und unergründliche Tiefe, die aus einem geheimnisvollen Raum emporsteigt in das Sein. Hierin nun liegt eine besondere Einsicht, von der wir bereits in der Antike hören, die später dann auch Meister Eckehart wieder aufgreift in dem Satz, dass die Seele nicht im Körper, sondern der Körper in der Seele sei. Ich möchte das präzisieren.

Im Körper findet die Seele eine Heimat. Dort richtet sie sich für eine Zeitspanne ein, die wir Leben nennen. Während der Geist umherschweifen kann, ruht die Seele in uns. Sie ist gleichsam ein eingenisteter Tropfen, der aus dem unendlichen Seelenmeer in uns fiel, der aber immer in der Grund-Energie des Muttermeeres bleibt. So lebt sie also in uns und ist zugleich grenzenlos – und zwar sowohl räumlich wie auch zeitlich. Als überzeitliche Wesenheit zeigt sie sich vom Körper und damit auch dem physischen Tod letztlich unabhängig.

Dieser Unendlichkeitscharakter lässt den britischen Biologen und Philosophen Rupert Sheldrake davon sprechen, dass die Seele ein energetisches Feld sei. So können wir sie verstehen als ein entgrenztes Empfindungsfeld, mit dem der Mensch in Resonanz steht. Das erklärt zudem, dass die personale Seele mit so vielen anderen Seelen in Resonanz lebt, mit ihnen verknüpft ist. Deshalb sprechen wir von Seelenverwandtschaft. Du begegnest einem Menschen, den du noch nie vorher gesehen hast, blickst ihm in die Augen – und du spürst eine verbindende Nähe und Vertrautheit. Man schwingt in der selben Feldenergie, im selben Seelenrythmus.

Seelen-Resonanz kann sich auf allen Ebenen des Seins ereignen. Sie ist nicht beschränkt auf das menschliche Du. Vielmehr reicht sie von unserer Umwelt (Landschaften der Seele) über die Tierwelt bis in den geistigen und göttlichen Raum, dem sie entstammt. Wahrhaft leben heißt: beseelt sein.

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