Wem gehört eigentlich was?

clausAllgemein

Wir haben es uns in Jahrtausenden angewöhnt, in Kategorien von mein und dein zu denken. Das entspricht auch durchaus unserem evolutionären Entwicklungsstand, der in seiner dominanten Seite von einer Ego- und Habenstruktur auf allen Ebenen, von Abgrenzung und vom Anhaften geprägt ist. Solches mag in Ordnung sein, wenn es um Dinge des Alltags geht und all das, was zu unserer persönlichen Lebensorganisation dazugehört. Es mag auch noch in Ordnung sein im Hinblick auf das Haus, das wir bewohnen und die Parzelle Land, auf der es steht. Gleichwohl beginnen hier bereits die ersten Fragen. Sie tauchen etwa auf, wenn Pflanzen vergiftet und Böden „versteinert“ werden. Denn dann wird anderes Leben, über das wir nicht schädigend verfügen dürfen, eingeschränkt, gehindert, vernichtet. Der Besitz an Boden, auch der kleinsten Parzelle, untersteht dem obersten Gebot der Lebensdienlichkeit. Dies schränkt die beliebige Verfügung ein. Und dies diktiert uns Mutter Erde selbst, in ihrem Aufschrei ob schlimmster Misshandlungen seitens des Menschen. Wie viel mehr gilt dies für Ackerflächen, für Seen und Flüsse, für das Meer und die Wälder, und hier wiederum vor allem für die Regenwälder.

Es kann nicht länger sein, dass die Lungen der Erde und die Wasserspeicher des Planeten wie Eigentum eines Staates, einer Bevölkerung oder einer Industrie gesehen werden. Sie gehören auch nicht bloß der Menschheitsfamilie, sondern dem Leben selbst. Und dieses Leben braucht durch ausgewählte integre Menschen eine machtvolle Vertretung in den Parlamenten, bis hin zu den obersten Organen der Menschheit, wie dem Sicherheitsrat. Denn hier sprechen wir von einer Sicherheit, bei der es um unendlich viel mehr geht als nur die Interessen, Befindlichkeiten und Sentimentalitäten einzelner Staaten und ihrer Bevölkerungen oder gar einzelner Menschen.

Der Natur steht ein unbedingtes Vetorecht zu, das im Zweifel, wie bei der Abholzung der Regenwälder, der Vermüllung der Meere und der Jagd auf Wale mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auch der Durchsetzung bedarf. Denn mit jedem Tag schwindet dramatisch viel Lebensraum auf der Erde, werden etwa 200 Arten unwiederbringlich ausgerottet. Diskursive Vernunft und Diplomatie sind an dieser Frage schon lange gescheitert. Das heißt nicht, sie aufzugeben, ganz im Gegenteil! Aber alleine reicht das nicht mehr. Irrsinn ist durch wohlfeile Worte und feine diplomatische Nadelstiche nicht zu bremsen.

Vieles hängt in diesem Dilemma am Eigentumsbegriff und dem entsprechenden Bewusstsein. Wir werden lernen müssen, ihn radikal neu zu denken, von den Schutzbedürfnissen des Lebens in seiner Vielfalt her kommend. Es gibt kein höheres Gebot und keine höhere Verpflichtung als das Lebensrecht.

Vielleicht lernt die selbstverliebte und daran fast schon erblindete Menschheit ja noch rechtzeitig, dass dieser Dienst am Leben zugleich der höchste und wichtigste Dienst ist, den sie sich selber leisten kann.
Dann gäbe es endlich einmal wieder Anlass, auf uns stolz zu sein!

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