Vermehrung und die Grenzen des Wachstums

clausAllgemein

Ein Gastbeitrag von Achim Weimer

DerDalai Lama hat es so ausgedrückt:
Jeder Mensch ist ein wunderbares Wesen. Aber es gibt zu viele dieser wunderbaren Wesen auf dem Planeten.

Wenn wir es nicht Katastrophen – Hunger, Krieg, Seuchen – überlassen wollen; wenn wir auch dem Rat Stephen Hawkings noch nicht folgen können, Wohnstatt auf einem anderen Planeten zu suchen; dann bleibt die Überbevölkerung das große Grundproblem, an dem jeder Versuch einer globalen ökologischen Wende scheitern wird.
Wollten wir aus Einsicht weniger werden, hieße das, weniger Kinder in die Welt zu setzen. Wirklich wirkungsvoll wäre dann die Ausrichtung auf eine weltweite Ein-Kind-Politik. Das würde mit sich bringen, wo auch immer in der Welt, durch eine längere Phase der Überalterung hindurch gehen zu müssen.

Wie viele Menschen wären auf dem Planeten noch verträglich?
So, dass Flora und Fauna angemessene Räume blieben…
So, dass Herden wieder ziehen und Naturräume sich regenerieren könnten…
Es genügt nicht, dass die Arten nur nicht weiter ausgerottet, vergiftet, eingesperrt, zu Nahrung degradiert werden. Wir müssen ihnen auch Raum und Ungestörtheit überlassen, um sich wieder in Würde entfalten zu können. Die Hälfte der Erde müssten wir wohl unter Naturschutz stellen. Nur dann kann der Planet sich erholen und Lebensräume bereitstellen für die große Vielfalt des Lebendigen. Und dann müssten wir Menschen lernen, dass es Orte gibt, an denen wir nichts zu suchen und nichts zu finden haben. Von dieser Überlegung her also wäre dann zu fragen: Wie viele Milliarden Menschen passen auf die (halbe) Erde? Eine Milliarde? Das wäre mein Bauchgefühl. Besser weniger?

In jedem Fall scheint es die falsche und höchst gefährliche Ausrichtung, in Überlegungen das Heil zu suchen, die suggerieren, 10 Milliarden Menschen auf dem Planeten versorgen zu können. Das widerspricht jeglichem Wissen und einem Gewissen, das für das Leben an sich mitfühlt.

Allzu leichtfertig wird die Ein-Kind-Politik der Chinesen diskreditiert. Doch bei allen Fehlern in der Umsetzung und vielleiht sogar in der Fragwürdigkeit der Motive: Wie sähe China heute ohne diese Politik aus? Und wie die Welt, wenn viele Millionen weiterer Chinesen unter dem noch unerträglicheren Bevölkerungsdruck China verlassen hätten? Die Westküste Kanadas gibt eine anschauliche Idee davon. Indien versucht es mit vielen Mitteln, allerdings ohne konsequente Ein-Kind-Politik: und scheitert. Die Folgen für die Natur und für die Menschen dort sind extrem.

In Europa, speziell auch in Deutschland, sollten wir den demographischen Wandel, der sich ohne Lenkungspolitik ergeben hat, endlich als Chance begreifen. Als eines der am dichtesten besiedelten Länder der Welt ist es ein irriger Weg, diesen Wandel durch Zuzug von „Außen“ gleichsam umzukehren. Der ernsthafte Ausstieg aus der Wachstumsgesellschaft beträfe eben auch das Bevölkerungswachstum selbst. Warum weichen wir dieser Frage so konsequent in den gesellschaftlichen und politischen Diskursen aus?

Wenn ich vor die Haustür gehe, habe ich ein Beispiel vor Augen, was starkes Bevölkerungswachstum bedeutet: Die Wetterau, eines der fruchtbarsten Gebiete Europas wird zubetoniert. Der „Ballungsraum Frankfurt“ explodiert förmlich. Baugebiete, Gewerbegebiete, Straßenbau soweit das Auge reicht. Wofür? Unausweichlich? „Wir leben nicht auf der Insel der Glückseligen. Wir können uns der Entwicklung nicht entziehen“, sagt unser Bürgermeister.
Grüne Politiker fordern hier gleichzeitig den Stopp der Flächenversiegelung, aber auch mehr Wohnungsbau und freien Zuzug. Wie soll das zusammengehen?
Wo ist die erste deutsche Stadt, die sich diesem Wachstum verweigert? Die konsequent  keine neuen Baugebiete mehr ausweist und keine Straßen mehr baut, sie vielmehr sogar zurückbaut und renaturiert?

Wir sollten uns schonungslos, ideologiefrei und nüchtern mit der Wirklichkeit konfrontieren. Kann sich Deutschland, kann sich die Weltgemeinschaft, kann sich die Erde weiter Bevölkerungswachstum leisten? Oder müssen wir es aus „ethischen Gründen“ hinnehmen und uns auf unbedenkliche Maßnahmen wie „mehr Bildung“ konzentrieren, die zwar unverzichtbar sind, aber in der gebotenen Dringlichkeit nicht überzeugend funktionieren – wie zahlreiche Beispiele zeigen.
Präsident Erdogan will mit Bevölkerungswachstum die Macht seines Landes erhöhen. Andere wollen mit Masse Religionen exportieren. Der Präsident von Tansania hat aufgerufen, noch mehr Kinder zu bekommen, um die Wirtschaft im Land anzukurbeln. Sind wir an dieser Stelle wirklich klüger?
Die unbegrenzte Vermehrung der Menschen wahrhaft umzukehren wird mit Härten verbunden sein, ohne Frage. Aber diese Härten erscheinen unbedeutend, verglichen mit denen, die uns und die Kommenden erwarten, wenn wir so weitermachen.

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