Lichtstrahl aus der Unendlichkeit

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Zu den ersten und zugleich den letzten Fragen des Menschseins gehören: Was ist das Universum, und hat es einen tieferen Sinn? In welcher Beziehung stehen Makrokosmos und Mikrokosmos, die sich ständig neu schaffen? Was verbindet Natur und Geist, Materie und Bewusstsein?
Bei aller fortschreitenden Erkenntnis, vor allem der Quantenphysik, bleibt das Geheimnishafte, bleibt der Zauber des im letzten Unergründlichen. Wie soll das Begrenzte des menschlichen Bewusstseins auch das Unbegrenzte je ganz fassen?

In Staunen, im Ergriffensein und in der Haltung der Ehrfurcht werden wir diesem Geheimnis gerecht, ohne in der Suche nach Antworten innehalten zu können. Was uns immer weiter suchen lässt, ist der zur Entwicklung drängende Wille selbst, aus dem alles Leben hervorgeht und sich formt. In der Ehrfurcht vor diesem Werdens- und Entwicklungsimpuls anerkennen wir seinen alles überstrahlenden Wert. Er führt uns in die unbedingte Bejahung des Seins. Sie überwindet den Drang, zu klassifizieren und in höher oder nieder oder auch wert und unwert zu unterscheiden. Sie macht sich nicht abhängig von Einzelaspekten und Einzelmerkmalen und deren Verabsolutierung. Vielmehr wird sie zur Grundlage jeder sich als universal verstehenden Ethik. Diese Bejahung als Empfindung, Erkenntnis und Zuwendung können wir verstehen als die universale Form und Erscheinung der Liebe.

Diese Liebe grenzt nicht aus, sie integriert. Humanismus weitet sich zum Universalismus, neigt sich hin, zu allem, was lebt – oder genauer: zu allem, was ist. So zeigt sie sich als unteilbar, wendet sich nur einem jeweils anderen Du aus dem unendlichen Strauß der Schöpfung zu. Als richtunggebend hin zum Leben und zum Tun lässt die Liebe sich verstehen. Sie wirkt als Impuls der ganzen Seele und ist auch in diesem Sinne unteilbar. Sie schließt selbst die Kräfte mit ein, mit denen das Negative hätte getan werden können und veredelt sie dadurch. In der so verstandenen Liebe begegnen wir einer wahrhaften Reinheit des Herzens, die alles Empfinden und Handeln in die angemessene Richtung führt. Das kann identisch sein mit dem, was Menschen als Gerechtigkeit definieren, und im Idealfall wird es das auch sein. Gleichwohl steht das Sich orientieren und das Tun aus Liebe über jedem Gesetz und jedem Gerechtigkeitsempfinden, wenn diese in eine lebensfeindliche Richtung weisen oder führen können.

Albert Schweitzer hat eine angemessene Formulierung gefunden, als er die Idee der Liebe als einen geistigen Lichtstrahl bezeichnete, „der aus der Unendlichkeit zu uns gelangt.“ Er stammt aus dem Raum des Absoluten und wendet sich dorthin zurück. Diese Liebe ist wesenseins mit dem, was wir das  Göttliche nennen. Wo sie lebt, als die Liebe zum Du und die Liebe zum Ganzen, als dessen Teil wir das Du nun sehen, ist das Göttliche präsent. Schließlich, und dies scheint mir nur zu oft übersehen zu werden, kann das „Göttliche“, kann das „Absolute“ nur durch die Augen der Liebe überhaupt gesehen und erkannt werden. Der rationale Geist allein, verbleibt an dieser Stelle blind. Und er wehrt sich gegen diese Kränkung mit Sarkasmus und mit Ironie.

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