Ewigkeit

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Sie scheint ein Reich weit jenseits aller Zeit und aller Grenzen. Aus dem Irdischen taugt kein Maßstab. Fassbare Koordinaten zerfließen in Hoffnungen, Träumen und Sehnsüchten.

Großvater, was ist das, Ewigkeit?
Weißt du, mein Junge, das weiß niemand so genau, aber ich erzähle Dir dazu eine Geschichte: Hinter allen Kontinenten und am Ende aller Meere ragt eine mächtige Insel aus dem Ozean. Sie ist aus reinem Diamant und bleibt den Augen der Menschen verborgen. Nur Engel und Vögel können sie sehen. Einmal in 100 Jahren kommt ein Adler geflogen, setzt sich auf die Spitze des Berges und wetzt seinen Schnabel daran. Wenn, eines sehr fernen Tages, der ganze Berg abgewetzt ist – dann ist eine Sekunde der Ewigkeit herum.

Wir schaffen es kaum, das Unfassbare ohne das, was gewiss scheint, zu umschreiben. Erklärversuche von Transzendenz bedienen sich der immanenten Sprache. Den göttlichen Bereich verdeutlichte Jesus mit Gleichnissen und Bildern aus einer Kultur, die den Menschen seiner Zeit vertraut waren.
Und so ist es auch mit der Ewigkeit. Als eine aus Sehnsucht und fehlendem Wissen geronnene Idee bildet sie den Kontrapunkt zu unseren Grenzen in Raum und Zeit. Zeitlos und fern aller Räume steht sie für das Unvergängliche, das keinen Anfang hatte und auch auf kein Ende zusteuert. Dem Ewigen fehlt die trennende Differenz. Ob es zeitlos steht oder sich im unendlichen Fluss bewegt, scheint eine unbedeutende Frage.

Meister Eckhart (1260-1327): „Das Nun, darin Gott den ersten Menschen schuf, und das Nun, darin der letzte Mensch vergehen wird, und das Nun, darin ich spreche, die sind gleich…und sind nichts als ein Nun. …darum ist in ihm weder Leiden, noch Zeitfolge, sondern eine gleichbleibende Ewigkeit.“

Ewigkeit mag dann wohl das sein, was, unabhängig von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, einfach bleibend ist – in jedem Moment. Und deshalb gilt, dass wenn du im Moment lebst, gegenwärtig bist, du dich bereits inmitten der Ewigkeit aufhältst. Sie ist nicht ein Abgespaltenes, das am Ende deiner leiblichen Tage auf dich wartet. Sie umgibt uns vielmehr jederzeit. In ihr kommen und vergehen wir, werden und verwehen wir. Doch was verweht, bleibt zugleich, wenn auch in anderer Gestalt und Weise. So ist jedes Sein ein Ewiges, vorausgesetzt, wir denken es nicht statisch und auch nicht als Form. Joseph Ratzinger hat dies so umschrieben:
„Ewigkeit…ist das ganz Andere, das zu jeder vorübergehenden Zeit sich als ihr Heute verhält, ihr wirklich heutig ist; sie ist…die Macht der Gegenwart in aller Zeit. Ewigkeit steht nicht etwa beziehungslos neben der Zeit, sondern sie ist die schöpferisch tragende Macht aller Zeit… Sie ist nicht Zeitlosigkeit, sondern Zeitmächtigkeit.“

Betrachten wir Zeit und Ewigkeit so als ein ineinander Verflochtenes, dann ist Ewigkeit das, was sich im Moment flüchtig zu erkennen gibt, um sogleich in andere Facetten überzugehen. Jedes Auge, jeder Sinn nimmt das unterschiedlich wahr. Jeder Blick eines Wesens erfasst andere Wirklichkeitsdimensionen eines uns immer umgebenden unerschöpflichen Möglichkeitsraumes. Und so brauchen wir uns deshalb nicht wegzuträumen; jederzeit sind wir inmitten von Allem, und in diesem Verständnis wahrhaft ewig, Teil der Zeitmächtigkeit im unendlichen Strom von Sein und Werden und Vergehen.

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