Bote und Begleiter

clausAllgemein

Es scheint mir nicht leicht, etwas in Worten zu umschreiben, das unseren sinnlichen Augen nicht oder nur indirekt zugänglich ist. Es macht es auch nicht leichter, wenn man dabei auf herrschende theologische Lehren und Lehrsätze genauso verzichten will wie auf esoterische Gefühlsduselei. Hinweise soll allenfalls das geben, was sich seit Jahrtausenden in der Tiefenkultur der Menschheit als Bewusstsein und als innere Regung bei unzähligen Menschen beheimatet und verankert hat.
Es geht um Engel.

Das Wort hat seinen Ursprung im griechischen angelos, der Übersetzung des hebräischen mal’akh, was göttlicher Bote, Gesandter meint. Engel tauchen nicht erst mit den Hochreligionen wie Judentum, Christentum und Islam auf. Schon in früheren Zeiten glaubten Menschen an überirdische Gestalten, geistige Wesenheiten. Sie begegnen danach den Menschen im Traum oder auch in naturhaften Erscheinungen. Aus dem biblischen Kontext sind sie, sowohl im Alten wie auch im Neuen Testament, nicht wegzudenken. Diesbezüglich sind alle Überlieferungen einmütig.

Engel sind geistige Wesen, gehören der geistigen Schöpfung an. Sie bewegen sich zwischen dem Menschen und dem göttlichen Bereich. Sie überbrücken gleichsam den Zwischenraum, beseelen ihn. Dabei können sie in der Begegnung mit einem Menschen durchaus vielfältige Gestalt annehmen, auch durch andere Menschen sprechen.
In dem Wirken der Engel öffnet sich für den wahrnehmungsfähigen Menschen eine andere Dimension. Es bricht etwas in das Leben ein, berührt es zu Anderem hin. Wenn der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber (1878-1965) schreibt: „Der Augenblick ist Gottes Gewand“, dann sind es die Engel, die uns diesen Augenblick spüren lassen. Sie weisen auf etwas hin, mahnen, warnen, öffnen Möglichkeitsräume, stellen Klarheit her. Als sogenannte Schutzengel haben sie zudem eine bewahrende Bedeutung für den Menschen, so wie es im Psalm 91(11) heißt: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“

Als geistige Wesenheiten können Engel nur mit uns Menschen in Kontakt treten, wenn wir unser eigenes geistiges, spirituelles Wesen im Bewusstsein und in Offenheit halten. Denn auf dieser Ebene geschieht die Resonanz. Und deren Sprache ist die Stille. Wer geistig berührbar werden bzw. sich berührbar halten will, muss lernen, den geistigen Raum immer wieder zu entleeren und von all jenem Gedankenschrott zu befreien, der Durchlässigkeit und Transzendenzbewusstsein verhindert. Einübung in die Stille und das innere Schweigen warten hier demnach als hilfreicher Weg. Er ist nicht ausschließend für andere Ebenen und Weisen der Begegnung von Engel und Mensch; aber er schafft Ermöglichung. Wir können immer nur das wahrnehmen, woraufhin unsere Wahrnehmungssinne gestimmt sind.

Der göttliche Bereich und Engel sind eine Sehnsucht von mehr Menschen, als sich trauen, darüber zu sprechen, in diesen erkalteten Zeiten. Aus eigener Erfahrung und untrügerischer Begegnung kommend, wird diese Sehnsucht allerdings zur selben Wirklichkeit, wie die der uns nächsten Menschen.

Und wenn das alles, Gott und die Engel, doch nur als Wunschprojektion des Menschen angesehen werden können, als eine Illusion, eine Täuschung der Gefühle – wie der Rationalist gerade spöttisch fragt…. oder Engel einfach nur „metaphysische Fledermäuse“ sind, wie sich ein sogenannter Kirchenhistoriker belustigt…
Dann ist mir das gleichwohl eine Täuschung, die ich für keine sogenannte Realität eintauschen würde…

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