Jenseits, Leere und Bewusstsein

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Natürlich gibt es eine jenseitige Welt. Die Frage ist nur: wie weit ist sie von der Innenstadt entfernt, und wie lange hat sie offen. In der für ihn nicht untypischen Weise zwischen Ironie und Zynismus fertigt Woody Allen eine Frage ab, die uns Menschen seit Urzeiten beschäftigt. Das sogenannte „Jenseits“ liegt im Herzbereich der großen religiösen Traditionen. Manche sagen, es schreibe den Dualismus in der Weltsicht fest und entstamme einem antiquierten Denken, welches in das Irdische und Niedere sowie das Himmlische und Höhere unterteile. In den mystischen Traditionen der spirituellen Wege wird diese Frage in den Innenraum des menschlichen Bewusstseins … weiterlesen

Das Gefühl und die Erkenntnis

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Es durchzieht das Tiefenverständnis unserer Kultur, dass Wissen und Erkenntnis auf rationaler Analyse beruhen. Gefühle und Emotionen haben da keinen Platz. Sie bringen Unschärfen ins Spiel, sind sie doch mehr oder weniger beliebig und zudem äußerst schwankend. Sagt man.Das scheint mir jedoch eine folgenschwere Verkennung zu sein. Denn der Mensch ist Gefühl! Es gibt keinen Moment, in dem wir nicht in einem Gefühl und einer Empfindung leben. Sie steuern unsere sinnliche Erfahrung, die wiederum den Geist erdet und ihn ans Leben bindet. Es ist somit höchste Achtsamkeit hinsichtlich unserer Gefühle und Empfindungen notwendig, wenn wir verstehen wollen, warum wir etwas … weiterlesen

Durchbruchsenergie – die Intuition

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Wo Denken und Grübeln an ihre Grenzen stoßen, wartet die Intuition, um einem verstockten und sich selbst im Wege stehenden Geist unter die Arme zu greifen. Sie ist die wohl unmittelbarste und stärkste Erkenntniskraft. Jeder Mensch kennt Intuition und die intuitive Regung als gefühltes Wissen, als den Geistesblitz, das Aha-Erlebnis, den aufsteigenden musikalischen Klang, das diffuse und doch unmissverständliche Bauchgefühl. Was dadurch geboren oder angestoßen wird, bedarf keiner Begründung durch die sogenannte Ratio. Es basiert auf Vertrauen. Zugleich scheitern wir daran, hinreichend zu erklären, was das denn sei, diese Regung, und woher sie komme. Neben unbewussten Spuren integriert die Intuition … weiterlesen

Mythos „Objektivität“

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Gerade in Krisenzeiten erhebt sich der Wunsch nach einer unabhängigen und differenzierten Berichterstattung. Möglichst objektiv soll sie sein, also frei von subjektiven Einschätzungen und Bewertungen – spezielle Meinungsbeiträge einmal ausgenommen. Was in der Wissenschaft immer wieder eine grundlegende Herausforderung darstellt, an der sich jede Forschung messen lassen muss, bleibt in Fragen und Zusammenhängen, die sich auf Gesellschaft, Politik und Kultur beziehen, ein zwar edler, aber uneinlösbarer Anspruch. Menschliches Sein ist standort- und standpunktgebunden, und zwar kulturell, zeitlich und sozial. Dem können wir nicht entkommen. Ich bin geprägt durch Land und Familie, in die ich hineingeboren wurde, durch Sprache, Bildung, das … weiterlesen

Auch Rast ist Reise

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Status viatoris, Zustand des Wanderers, nannte die scholastische Theologie das Wesen des bewussten und nach Glückseligkeit strebenden Menschen: Es geht um den Unterwegs-Charakter unseres Daseins zwischen Schon jetzt und Noch nicht. Zum Werden hin sind wir geschaffen, trotz aller Vergänglichkeit. Der Sinn des menschlichen Seins erfüllt sich in Entwicklung, Erkenntnis und innerem Wachstum. Status viatoris widerstrebt so dem Bedürfnis nach einer Anhaftung, die das Fließende aus dem Leben nimmt. In der Wanderschaft zeigt sich unsere Identität als Kinder eines Universums, das in Bewegung ist und das keinen Abschluss kennt. Denn auf den siebten folgt der achte Tag… Wie von einer … weiterlesen

Der Moment zeigt die Richtung

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Gerade in Zeiten und Epochen wie diesen, mit ihren umfassenden Bedrohungen von Lebensprozessen auf allen Ebenen des Seins, wächst das Leiden an der Empfindung, nichts Wirksames tun zu können, um Schaden zu begrenzen oder abzuwenden. Mancher fühlt sich wehrlos und hilflos, vielleicht sogar unnütz, wenn man nicht inmitten dessen, was wir an Zerfall und Zerstörung auf der Welt wahrnehmen, an konkreten Aktionen beteiligt ist. Doch je grundsätzlicher Probleme sind, desto unangemessener kann Aktionismus und eine oberflächliche Zufriedenheit sein, die sich daraus ergibt, Tätigkeitslisten abzuarbeiten. Tiefgreifende Umbruchszeiten zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie grundsätzlich gestaltungsoffen sind und höchstgradig unvorhersehbar … weiterlesen

Ein Land ohne Vision geht zugrunde

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Dies ist die Botschaft, die wir im biblischen Buch  „Sprüche“ finden. Wenn ein Volk, eine Gemeinschaft, eine Organisation, eine Ehe, ja die Menschheit an sich eine beseelte Zukunft haben wollen, bedarf es dazu eines besonderen Blicks auf das Leben und auf das Ganze. Das Eigene erkennen im Bezug auf das Umfassende lautet der Auftrag. Aber was ist das, das Umfassende? Gemeint ist damit das Leben selbst im Rahmen seiner Möglichkeiten und Grenzen, seiner Bedürfnisse und all dessen, was es zu schenken hat. Aus der Gesamtschau heraus erwartet das Einzelne und Eigene immer nur das Recht und die Möglichkeiten, die ihm … weiterlesen

Anders ist normal… Kontingenz

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Ein wenig Scheu empfinde ich schon, über die vielleicht größte Selbstverständlichkeit innerhalb der menschlichen Existenz etwas niederzuschreiben. Das Abgleiten in die Banalität ist schnell passiert.   Es geht um die grundsätzliche Offenheit und Ungewissheit unserer Seinserfahrungen. Legionen von Philosophen, Theologen, Psychologen und Soziologen haben sich darüber ausgelassen, oft in epischer Breite. Doch alle Reflexionen über das, was Kontingenz genannt wird, verdichten sich letztendlich in den Aussagen:Das Bestehende, so wie es sich uns zeigt, ist keinesfalls notwendig. Alles könnte auch anders sein und manches sowohl „falsch“ als auch „richtig“. Zufälle, bzw. Nichtvorhersehbares oder Ableitbares, intervenieren in Entwicklung und wirken richtungsweisend. Als … weiterlesen

Ästhetik und Systemrelevanz

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Der Landkreis, in dem ich mein Zuhause habe, ist normalerweise nicht schlagzeilenträchtig. Es lebt sich hier still dahin, inmitten überwiegend industrieller Landwirtschaft und viel Massentierhaltung. Etwas hügelig, viel grün, nette kleine Dörfer. Coesfeld ist sein Name- aktuell in die Nachrichten geraten durch die in der Kreisstadt ansässige Tötungsfabrik namens „Westfleisch“. Nachdem dort in unwürdigen Verhältnissen arbeitende und lebende Werkarbeiter, überwiegend aus Südosteuropa, sich massenhaft mit Covid 19 infiziert haben, wurde sie am denkwürdigen Datum des 8. Mai vorübergehend geschlossen. Leider keine bedingungslose Kapitulation eines lebensverachtenden Branchenriesen. Die zahlreichen Infektionen waren schon länger bekannt, doch nicht zuletzt der Gesundheitsminister aus NRW … weiterlesen

Fluss und Windhauch

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Siddhartha, der als Romangestalt von Hermann Hesse den Weg des Buddha verkörpert, begegnet nach nahezu alles beinhaltenden Lebensstationen einem alten Fährmann namens Vasudeva. Dieser wird sein letzter Lehrer. Er lehrt ihn das Hören: auf die der Ewigkeit entspringende Stimme des Flusses, die auch sein Meister war. Lange leben die beiden Alten in der kargen Hütte am Wasser. Nur wenige Worte teilen sie, und wenn, so sind sie reiflich bedacht. Eines Tages fragt Siddhartha: „Hast auch du vom Flusse jenes Geheimnis gelernt: daß es keine Zeit gibt?“„Ja, Siddhartha. Es ist doch dieses, was du meinst: daß der Fluss überall zugleich ist, … weiterlesen