Wahre Ehrfurcht

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Ein großes und eigentlich unentschuldbares Missverständnis beherrscht bis heute die meisten Religionen. So ehrt man den Schöpfungsgrund und betet ihn an, während man in der Lebenspraxis gleichzeitig meint, die Schöpfung selber ausbeuten und schänden zu können. Doch das Leben und der Impuls, dem es entstammt, sind nicht zu trennen. In seiner universalen Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“, will Albert Schweitzer (1875-1965) die Menschheit entsprechend auf die rechte Spur führen. Denn weit reicht diese Seinsbetrachtung über das in ihr Formulierte hinaus. Sie verweist neben dem Leben, das leben will, inmitten von anderem Leben, das gleichfalls leben will, auf den ewigen … weiterlesen

Segen sein

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Im Segen wohnt Heil. Menschen wird Gutes zugesprochen, Gedeihen, Erfüllung, Schutz und Bewahrung erbeten. So deutet es bereits der lateinische Ursprungsbegriff benedictio an, der abgeleitet ist von benedicere, also gut (bene) sprechen (dicere) – von jemandem gut sprechen, jemandem Gutes zusprechen. Aus dem im engeren Sinne Religiösen heraus, hat der Segen schon längst seinen Platz in der Alltagswelt gefunden.„Ich wünsche Dir eine gesegnete Zeit.“„Segen sei mit Dir und begleite Dich auf deinen Wegen.“ Wie sich das dann in einer auf Nützlichkeit hin ausgerichteten Welt aber schnell ereignet, widerfahren dem Segen und dem Segnen ihre mehr oder weniger beliebigen Instrumentalisierungen bis … weiterlesen

Über sich hinaus

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Dass der Mensch in Berührung mit dem Absoluten steht, scheint außerhalb jeglicher Frage, ist er doch ein Teil dessen. Obwohl diese Gewissheit zu unserem tieferen Wesen gehört, müssen wir sie oft mühsam suchen und schmerzlich wieder erringen. Einiges gilt es hierbei zu bedenken. Da lebt, wenn auch nicht immer bewusst und noch seltener gespürt, jene Ursprungsgewissheit,  dass allem ein Ausgangsprinzip zugrunde liegt. Es existiert jenseits aller Phänomene von Raum und Zeit. Als Ursprung und Ende zugleich bildet es die „Substanz“, aus der sich das Vergängliche, das Werdende und Wachsende heraus entwickelt und formt. So auch der Mensch. Zwar vermag er … weiterlesen

Ähnlichkeitsverstärkung

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Das Gesetz der Resonanz lehrt die Ähnlichkeitsverstärkung. Je mehr Gleiches von Gleichem wir denken, kommunizieren und tun, desto wahrscheinlicher wird, dass es sich wieder und weiter ereignet. Je intensiver wir uns in einer bestimmten hohen Verhaltenswahrscheinlichkeit bewegen, desto stärker sind Prozesse der Gewöhnung und desto unwahrscheinlicher werden Denk- und Handlungsalternativen. Und das gilt in alle Richtungen. Es ist dieser evolutionäre und kulturelle Grundsatz, der es so außerordentlich schwer macht, dass sich kurzfristig Bewusstseinsorientierungen und Verhaltensweisen ändern.   Folgt Gewalt als Reaktion auf Gewalt, liegt es nahe, dass daraus wieder Gewalt entstehen wird. Jeder ungute Gedanke und jede ungute Handlung bauen … weiterlesen

Verwahrlosung und ein scheiternder Traum

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Im Zuge der pandemischen Selbstbespiegelung des Menschen ist aus dem Blick geraten, dass mit kontinuierlich wachsender Verwüstung der Erde das Damoklesschwert der Selbstvernichtung über uns schwebt. Obwohl die alten Gewissheiten und Sicherheiten doch längst begonnen haben, sich aufzulösen, bleibt die Frage, wie wir mit einer Welt und in einer Welt klarkommen, die sich selbstverschuldet an diesen Punkt manövriert hat, unbeantwortet im Raum. Kein Klagegesang erscheint mehr angemessen. Es gilt schlicht zu registrieren, dass genau in diesem Desaster die wohl letzte Chance ruht, an dem noch möglichen Neuen zu weben, während das Alte vergeht und stirbt. Das Gewohnte und Vertraute noch … weiterlesen

Das Heilige und der Raum

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„Gott sprach: Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.“ (Exodus 3,5) Des Menschen Sehnsucht ist sein Himmelreich. Sie entfaltet in uns den Drang zur Transzendenz. Zum Übersteigen des Alltäglichen, des Gleichgültigen und einer gelegentlich als Ödnis empfundenen Banalität will sie verführen. Das Himmelreich aber, sagt man, ist kein jenseitiges Universum. Es lebt in uns, als Innenreich. So wird für die Sehnsuchtsvollen die Pflege des inneren Raumes zur notwendigen täglichen rituellen Übung – als meditative Arbeit an der Resonanz mit dem Ersehnten. In seiner polaren Wesenhaftigkeit kann der Mensch auf der Suche nach dem Heiligen … weiterlesen

Einfach so

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„Der Gedanke des Existirens überhaupt, das Dasein irgendeines Dinges, oder einer uns möglichen Vorstellung, ist so groß, so überragend kolossal, daß ich in der Grübelei und Anschauung untergehe in Ruhe.“ (Rahel Varnhagen, 1771 – 1831) Es möge einmal nicht um die Frage eines Sinns gehen, nicht darum, ob das Sein einen Grund hat oder grundlos daherkommt, nicht um richtig oder falsch des Existierens, sondern um das Sein an sich, das pure Vorhandensein von etwas. Ist das doch unglaublich genug. Diese allerletzte Reduktion, wenn wir Jegliches, was uns selbstverständlich geworden ist, einfach weil es da ist, in diesem nackten Da-Sein anschauen, … weiterlesen

Zerbrechende Gewissheiten

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Dass wir uns in eine Welt hineinbewegt haben, in der die überkommenen äußeren Gewissheiten des Lebens sich grundlegend in Frage gestellt sehen, gehört zu den neuen Sicherheiten der Gegenwart. Prozesse der Erosion sind möglicherweise noch zu lenken, aber nicht mehr zu stoppen, wenn Kipppunkte der Zerstörung überschritten worden sind. Klimawandel, Artensterben, Rohstoffknappheit sind herausragend exemplarische Beispiele dafür. Sie ziehen Folgen nach sich, die tief auch in soziale und ökonomische Prozesse intervenieren und in die Verlässlichkeit hinsichtlich all dessen, was uns als alltägliche Daseinsvorsorge vertraut ist. Es grenzt schon an eine Binsenweisheit, dass dieser Instabilität im Äußeren nur durch innere Stabilität … weiterlesen

Mit dem Abschied leben

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Für viele Menschen zeigt sich ihr Seinsraum als Bewegung innerhalb von Extremen. Er liegt zwischen der Anhaftung im Diesseits und dem Sehnsuchtsdrang, der in die Überschreitung führen will. Im Beharrungswesen Mensch scheint sich dabei etwas grundlegend zu sträuben, Erreichtes und Erlangtes als Freiheitsgut zu sehen, als etwas, das in Bewegung steht, sich verändernd, mutierend, zerfließend, vergehend. Leben, ausnahmslos, bis in die vom Menschen geschaffenen Beziehungen und selbst die Dinge hinein, ist etwas Vorübergehendes. Mancher wird mit dunkler Brille sagen, dem sind wir ausgeliefert, die Vergänglichkeit ist unser Fluch. Eine andere mag sich demgegenüber dankbar im Fluss des Seins geborgen wissen … weiterlesen

Lebensmut

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Es ist ergebnisoffen, was die gegenwärtigen, überwiegend selbstverschuldeten globalen Krisen für die Menschheit bedeuten; das Aussterben unserer Art als eine gegebene Möglichkeit denkbar inbegriffen. Nicht mehr und nicht weniger baut sich als deutliches Frage- und zugleich Ausrufezeichen vor uns auf. Dieser Ausgangslage können wir durch Distanzierung oder Verdrängen nicht angemessen gegenübertreten. Vielmehr erfordert sie das Bewusstsein von unserer direkten Teilhaftigkeit und Eingebundenheit sowie das Empfinden einer universalen Verbundenheit mit allen Lebensprozessen. Dann lässt sich auch der Verführung durch jene Heilsversprechen vorbeugen, in denen die radikale Herausforderung in der wir stehen, lebensgefährlich simplifiziert wird. Vielfalt und Widersprüchlichkeit des Gegenwärtigen dulden keine … weiterlesen