Bitte sei still…

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In Texten, Tönen und Bildern droht unsere Zeit sich zu verlieren. Sinne werden zerrieben durch den ununterbrochenen Schwall der Worte und den Sog der audiovisuellen Berieselungs- und Narkotisierungsmaschinen. Das tiefe Hören ist zu einem nahezu vergessenen Kulturgut geworden. Tiefes, rechtes Hören erfordert die sensible Offenheit aller Sinne. Rainer Maria Rilke drückt das in einem seiner letzten Gedichte so unvergleichlich aus: „Das Leiseste darf ihnen nicht entgehen, sie müssen jenen Ausschlagswinkel sehen, zu dem der Zeiger sich kaum merklich rührt, und müssen gleichsam mit den Augenlidern des leichten Falters Flügelschlag erwidern, und müssen spüren, was die Blume spürt.“ So geht es … weiterlesen

Vergiss nicht deine Flügel

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Nicht nur bezogen auf den Zustand unserer Erde, sondern auch in unserem ganz alltäglichen So-Sein begegnen wir immer wieder existentiellen Erfahrungen: Kraftlosigkeit, Unvermögen, das Bewusstsein, an Grenzen geworfen sein, Ohnmacht. Sie stoßen uns unbarmherzig auf die Tatsache, dass es an dem Punkt, an dem wir angelangt sind, nicht weitergeht; nicht mit den bekannten Mitteln, nicht auf den vertrauten Wegen. Doch wäre es nur das. Oft heißt Ohnmacht auch, Willkür ausgeliefert zu sein, der anderer Menschen und der deutungsleerer Situationen und Ereignisse. Naturkatastrophen, die wahllos Menschenopfer fordern, gehören zu diesen Ereignissen, genau wie Unglücke und manche Verbrechen, in denen es keine … weiterlesen

…dann tue, was du willst!

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  Aurelio Augustinus (354 – 430), Kirchenvater, Philosoph, Heiliger und seinerzeit Bischof von Hippo führt uns auf diese Fährte. „dilige et quod vis fac…“ „Liebe, und dann tu, was du willst…“ Wenn du in der Liebe stehst und handelst, dann kannst du keine Fehler machen. Und wenn du trotzdem welche machst, wird dich die Liebe lehren, sie zu erkennen und zu korrigieren. Augustinus wusste, wovon er sprach. Vor seiner Umkehr, die ihn zu einem tief spirituellen Menschen transformierte, war er ein Mann, mit all den dazugehörigen Facetten. In seinen „Confessiones“, den „Bekenntnissen“, gibt er darüber Auskunft. Es ist ein außerordentlich … weiterlesen

Werdet Vorübergehende…

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…sagt Jesus im Evangelium des Thomas zu seinen Jüngern. Er spricht damit das aus, was unser Wesen, wie das Wesen des Kosmos insgesamt, in Tiefe ausmacht: das Fließende, das in Bewegung sein, die Veränderung, das Leben also… Radikaler kann keine Aussage sein, die uns an unsere wahre Identität erinnern will. Jesus hätte auch mit seinem Geistesbruder Siddhartha Gautama, den sie den Buddha nannten, sagen können: Haftet nicht an, an nichts und niemandem. Versteht doch bitte, dass jede Statik und Beständigkeit zwar ein verständliches Begehren von euch ist, zugleich aber doch nur eine Illusion des Geistes, der sich irgendwo anlehnen und … weiterlesen

Tanker ohne Kapitän

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In einem seiner letzten Interviews äußerte sich der Philosoph Hans Jonas (1903 – 1993) im „Spiegel“ über den Zustand der Erde sinngemäß: „Wenn ich Kapitän auf einem Tanker bin und sehe, dass er direkt auf einen Eisberg zusteuert, fange ich nicht an und lasse die Mannschaft diskutieren, welchen Kurs wir nehmen…“ Der Autor von „Das Prinzip Verantwortung“ sah dies als ein Gleichnis an für den Zustand der Erde, die er mit einem Tanker in höchster Not verglich. Das Bild mag helfen, Dringlichkeit zu verdeutlichen und Entscheidungsklarheit und -notwendigkeit. Und es kommt vermutlich dem tiefen Bedürfnis vieler Menschen nach einem vorausschauenden … weiterlesen