Weihnachtsenergie

clausAllgemein

Weihnachtsenergie – die Intuition

Du siehst nur mit dem Herzen gut…
Schau mit deinem inneren Auge…
Dein Bauch trügt nicht…

Diese Alltagsweisheiten verweisen uns auf einen Erkenntniszugang jenseits von Logik und dem sogenannten rationalen Geist. Nur aus diesem „jenseits“ wird uns das mit dem rationalen Verstand Unerklärbare überhaupt zugänglich, oder besser spürbar. Intuition ist ein Begriff dafür.
Sie kann als die unmittelbarste und stärkste Erkenntniskraft des Menschen gesehen werden. Sie ist die Weihnachtsenergie, in der Neues zum Durchbruch kommt, in die „Welt“ fließt. Sie öffnet Augen für ein Geschehen, das sich dem rationalen Geist alleine nie zur Ansicht böte. Dem Geheimnisvollen öffnet sie das Tor in die Welt. Und sie ist es, die einem verstockten Denken und einem sich selbst im Wege stehenden Geist unter die Arme greift bzw. auf die Sprünge hilft.

Aber was verstehen wir eigentlich unter dieser oft als „Bauchgefühl“ diskriminierten Energie? Für den französischen Philosophen, Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Henri Bergson (1859-1941), dem bahnbrechende Texte zum Verständnis der Intuition zu verdanken sind, ruht die Wirklichkeit auf geistigem Grunde und kann deshalb auch nur entsprechend erfasst werden. In seinem Werk über Denken und schöpferisches Werden schreibt er: „Die Intuition … erfasst … ein Wachstum von innen her, die ununterbrochene Verlängerung der Vergangenheit in eine Gegenwart hinein, die ihrerseits in die Zukunft eingreift. Es ist die direkte Schau des Geistes durch den Geist. Nichts schiebt sich mehr dazwischen, keine Brechung der Strahlen durch das Prisma, dessen eine Fläche der Raum und dessen andere die Sprache ist …“
Schau des Geistes durch den Geist, die vor dem Unbewussten nicht halt macht … in der Intuition, und das meint Schau, entsteht in einem hochkomplexen Akt der Koordination aus einzelnen bewussten und unbewussten Erkenntniselementen ein neues Ganzes, eine neue Wissensgestalt. Sie fällt uns zu, oder besser: wird uns geschenkt, ohne dass wir den Weg nachzeichnen können, den sie ging. Neben unbewussten Spuren integriert die Intuition geistige und sinnliche Prozesse und verdichtet diese zu einer Eingebung, die Klarheit und eine umfassende Orientierung gibt und manchmal zur Handlung drängt.

Zwar liegt das Reich der Intuition im einzelnen Menschen selbst, doch der intuitive Akt macht vor transpersonalen und transzendenten Territorien nicht Halt. Um das Geheimnis des Weihnachtssterns zu erspüren und zu verstehen, reicht der bloße Blick zum Himmel nicht aus. Das auf das Äußere sich richtende Sinnesorgan will mit dem „inneren Auge“ synchronisiert sein. Intuition ist abgeleitet aus dem lateinischen intuire – von innen her sehen…

Das intuitive Geschehen durchbricht die bisherigen Muster des Denkens und der Wahrnehmung. Dazu benötigt es Spielraum und innere Freiheit. Vor allem bedeutet das dann, das Korsett der Gewohnheiten und Routinen, im Denken und im Handeln abzulegen. Denn es sind die ausgetretenen inneren Wege genau wie die unhinterfragten und festgefahrenen äußeren Gewohnheiten, die Überraschungen und neuen Orientierungen entgegenstehen. Als vergleichbar hinderlich können Tabus und Verbote gesehen werden. Leicht führen sie zu einschneidenden Begrenzungen der Wahrnehmung und entsprechender Deutungs- und Handlungsoptionen. Auch Angst und Stress verursachen entsprechende Blockaden.

In der Intuition wird ein neues Erfassen der Wirklichkeit geboren. Der Vision an diesem Punkte durchaus ähnlich, zeigt sie, was für ein gelingendes Leben fehlt. Vor dem inneren Auge ist das, als wäre eine Tür aufgestoßen, die den Blick freigibt in einen zwar schon immer vorhandenen, aber erst jetzt entdeckten Raum. Und dieser Raum ist interkulturell und interreligiös! Er spricht vom Kommen, oder besser: der fortwährenden Präsenz des Lichts, gleich auch in welcher Gestalt. Ein Name des Lichts ist Christus.

Intuition greift auf alles zurück, was geistig und energetisch im Menschen und in seinem lebendigen Umfeld ruht, die Übertragung von Gedanken und Gefühlen selbstredend nicht ausgeschlossen. Ihr dienen das biografische und das Leibgedächtnis genauso wie das universale Menschheitsgedächtnis und das kosmische Gedächtnis. Intuition stellt die Verbindung her zwischen Bewusstsein und Unterbewusstem, die Botschaft der Träume und den Schatz der Archetypen inbegriffen. Vor allem aber dient ihr der unstillbare Sehnsuchtsdrang des Menschen, der uns über uns hinausziehen möchte.
Um sich zum Durchbruch zu verhelfen, nutzt die Intuition jene besonderen Gelegenheiten im Leib-Seele-Geist-Komplex, in denen dieser empfänglich und offen ist für intuitive Botschaften. Das sind z.B. die Pausen nach langem, anstrengendem, ergebnislosem und in Erschöpfung mündendem Denken und Grübeln, in denen sich schon so mancher wissenschaftliche oder künstlerische Durchbruch „wie von selbst“ ereignet hat. Das sind die inneren Räume, die wir in der bewusst gesuchten und gepflegten Stille bereiten. Das ist die kontemplative Hingabe an dieses Reich der Stille, der Gedanken- und Wortfreiheit. Das ist jene radikale   Präsenz und unbedingte Offenheit, die Voraussetzung schafft für die persönlichen Kairos-Phasen der Empfänglichkeit.

Das Weihnachtsgeschehen in seinem tieferen Sinne, jenseits der kindlichen mythischen Erzählungen, wird sich dir nie offenbaren, wird in dir nie als Licht zu leuchten beginnen, wenn du ihm nicht diesen inneren Raum gibst, ohne Bedingungen und ohne Festlegungen.

PAX ET BONUM