Die Wandlungskraft des Gebets

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Mit dem Erwachen der Sehnsucht, die sich auf das Größere richtet, auf den Ursprung, das Absolute hin; mit dem Entstehen der Hoffnung, die alles Unperfekte, Leidende und Beschädigte durch jenes Unbegreifliche als heilbar erkennen möchte; mit dem aufsteigenden Bedürfnis nach tieferer Heimat und bedingungslosem Angenommensein kam das Gebet in die Welt. Als sich in Worten, Gesten, Gebärden, Ritualen oder sich ausrichtender Stille zeigend, lebt es als kulturübergreifende Wesenheit des Menschen.Aus der Ohnmacht heraus beschwört es die Allmacht, in der Angst das Rettende, in der Verzweiflung das Tragende, in der Leere die göttliche Fülle. Das Gebet kommt zwar aus dem Menschen, … weiterlesen

Die Antwort der Mystik

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Das mystische Auge schaut nicht analysierend, vergleichend und bewertend auf etwas; es schaut vielmehr aus der Quelle des Seins auf die Geschehnisse und das ihnen Zugrundeliegende. Die Essenz der Mystik liegt in der Folge nicht in Verklärung geheimnisumwitterten Nichtwissens. Es ist vielmehr das Erkennen, das bedingungslose Akzeptieren und das Sich-Hineinempfinden und Hineinnehmen in die überzeitlichen Gesetzmäßigkeiten von Werden und Vergehen. Dieses entzieht sich manchmal einer Zugänglichkeit durch Sprache und hat selten Kompatibilität mit den Regeln unserer äußeren Welt. Um so wichtiger ist als verbindendes und bindendes Ferment die Botschaft der Liebe. Jener Liebe, manchmal Gott genannt, die aus dem Zustandekommen … weiterlesen

Das zweite Leben

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„Wir haben zwei Leben, und das zweite beginnt, wenn Du erkennst, dass Du nur eines hast.“ (Mario de Andrade) Manchmal sind es tiefe, in einem mystischen Weltzugang aufgestiegene Einsichten über das in Unmittelbarkeit sich öffnende und erschöpfende Leben. Einmaligkeit und Unwiderrufbarkeit erstrahlen aus jeglichem Moment. Schönheit und Würde des Erscheinens und seines Verwehens fließen ineinander – bruchlos und nur vom analysierenden Geist unterschieden. Das Leben ist Windhauch, wie der Prophet Kohelet im gleichnamigen biblischen Buch konstatiert. Alles ist nur ein Windhauch… Nichts bleibt davon ausgenommen; kein „gut“ und „böse“, kein „schön“ und „hässlich“; kein Frieden und kein Krieg; kein Baum, … weiterlesen

Geduld

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Mit wachsender Unbehaustheit auf unserer Erde werden Menschen rastloser. Emotionaler Druck ob beharrlich schwindender Gewissheiten und der Erosion des Gewohnten und Vertrauten baut sich auf. Unsicherheit, ja Angst fließen aus der Einsicht in die Unabänderlichkeit der planetarischen, zivilisatorischen und kulturellen Krisen sowie der damit verbundenen drastischen Folgen. Trauer erfüllt den Seelenraum, wenn der Blick auf das Leiden und Vergehen von Landschaften, Natur und Kreatur fällt. Und manchmal erstickt diese Trauer jeglichen Sehnsuchtsruf, wenn sie erkennen muss, dass das Verwehen selbst vor der Menschheit wohl nicht halt machen wird.Aus dieser Ohnmachtsempfindung drängen sich als Antwort Ungeduld und Hektik auf. Sie verbinden … weiterlesen

Geschenkt

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Der Mensch hat sich das Leben nicht verdientNicht errungenNicht erkämpftEs wurde ihm geschenkt Bäume im WaldBlumen am WegesrandMorgengesang der gefiederten FreundeNicht erworbenNicht gemachtGeschenkt Frische LuftKlares WasserNährende PflanzenUmhüllende DunkelheitNicht selbstverständlichUnd doch geschenkt Still leuchtender MondWärmende SonneSternenmeer zum Ewigen hinSchon immer daEinfach so Fliegen mit dem Geist Empfinden mit dem Leib Sehen mit dem HerzenVerlorenes mit der Erinnerung bewahrenNicht bestelltGegebenErwartungsfrei Auf dem Planeten wandelnEine Seinsstrecke langVoller FreudeManchmal LeidIn hoffendem AufbruchOder von Traurigkeit erfülltNicht käuflich Leben inmitten von LebenVerbundenUmsorgtGetröstetGeheiltEin Privileg Die Erde ein LebewesenDer Himmel zum Geheimnisvollen führendBeständigTreuVerlässlichUnendlich schönDie Antwort kann nur Liebe sein Sehnsucht spürenTraumwelten errichtenSich dem Zauber ergebenJa sagen zum Heiligtum … weiterlesen

Spaltung

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Wenn Völker in Unruhe fallen, Sorge sich ausbreitet, Krisen ein Gefühl vermitteln, dass die Luft zum freien Atmen knapper wird … dann meint man, jetzt müsse doch die Sehnsucht nach Einheit und Verbundenheit anwachsen. Doch erschreckt stellst du das Gegenteil fest. Die Stühle werden nicht näher aneinander gerückt, sondern mehr und mehr von ihnen aus dem Raum getragen. Nicht die Suche nach dem, was verbindet und wie neue Verknüpfungen geschaffen und andere, in Vergessenheit geratene, wieder entdeckt werden könnten, bestimmt das mentale Klima. Stattdessen Abgrenzung, Verklärung des Eigensinns, Hassgedanken, unerbittliche Worte und emotionaler Kontrollverlust. Gesellschaft und kulturelles Empfinden zeigen sich … weiterlesen

Sein in Moll

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Die Geschichte der Zuschreibungen an das, was Melancholie meinen könnte, ist uralt und von immenser Bandbreite. Das meiste klingt dunkel, ja düster, wie es der Wortstamm auch nahelegt. Doch es gibt eine nicht nur unverzichtbare, sondern auch lebenswerte, ja schöne Seite. Und so finden im folgenden Definitionen wie „depressives Krankheitsbild“, „Trübsinn oder Schwermut“, „Versuchung des Teufels“, „Herabsetzung des Selbstwertgefühls“ oder „selbstzerstörerisch“ keine Beachtung. Vielmehr will in all seinen Abstufungen der Feinsinn des Melancholischen betrachtet werden. Große Teile der Weltliteratur, der musikalischen Kompositionen und der Bildenden Kunst wären nicht ohne sie. Die Verfasstheit der Welt ruft seit jeher eine gewisse Traurigkeit … weiterlesen

Halt und Heimat im Reich des Geistigen

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In der Bewegung auf Pfingsten zu erhebt sich wie selbstverständlich die Frage nach dem Wesen dessen, was die Menschen Geist oder Heiliger Geist nennen. Kann man darunter eine Wesenheit, ein energetisches Feld oder eine Sphäre verstehen, wie sie etwa der christliche Mystiker Teilhard de Chardin, aber auch Natur- und Kulturwissenschaftler mit dem Begriff Noosphäre charakterisieren? Diese könnte man sich ähnlich der Atmosphäre, die unseren Planeten umgibt, vorstellen. Oder handelt es sich bei dem Reich des Geistes lediglich um eine Idee, ein Konzept, das des Menschen Sehnsucht nach Transzendenz befriedigt?Vieles spricht für die Gleichzeitigkeit des unterschiedlich Benannten als einem eigenen Bereich … weiterlesen

Die Grenze als Freiheit

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Grenzen sind dem Sein immanent. Unsere Endlichkeit und Vergänglichkeit strahlen als Archetypus der Grenze über jegliche Lebensphänomene, nicht nur die personalen. Nichts existiert, vielleicht den visionären Geist einmal ausgenommen, was sich nicht daran orientieren müsste. Zugleich ist dies die existentiellste Provokation, resultierend aus der narzisstischen Kränkung, die in der Grenzziehung selber liegt. Grenzen sind verantwortlich für ein Verständnis von Innen und Außen. Sie bestimmen biologische Prozesse, schützen den Körper als Haut, markieren Staaten und Territorien, sind Basis des Rechts und der Normengerüste. Sie hegen ein, grenzen aus, gewähren aber auch Schutz. Sie bieten Orientierung mittels Überschaubarkeit und Verstehen, nicht zuletzt … weiterlesen

Gebet ist Beziehung

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Soll er sich auch noch um das Unheil kümmern,das der Mensch angerichtet hat?Die kleinen und die großen Wünsche?Die ständigen Sorgen um dies und das?Soll er die Erde retten,die seine „Kinder“ verwüsten?Die körperlichen Gebrechen lindernund den unendlichen Schmerz nach Deinem Tod?Ist das der Sinn des Gebets? Wie viele mögen aufgestiegen sein aus Auschwitz…Wie viele aus den Schlachtfeldern und den Trümmerwüsten gestern und heute…Wie viele an den Betten schwerkranker Kinder…Wie viele im Moment der Verzweiflung am Sein… Haben sie etwas bewirkt?Und geht es überhaupt darum,etwas durch eine „äußere“ Instanz zu bewirken? Im Gebet kehre ich mein Innerstes nach Außen.Bewege in Worten, Sprache … weiterlesen