Heilige Zeit

clausAllgemein

 

„Der Himmel ist nicht ‚oben’…im geistlichen Bereich ist der Himmel ebensogut oben wie unten, links oder rechts. Der Zugang zum Himmel ist die Sehnsucht. Wer sich sehnt, im Himmel zu sein, ist geistigerweise bereits dort. Wir laufen nicht mit unseren Füßen zum Himmel, sondern mit unserem Verlangen.“

Im 14. Jahrhundert schrieb ein unbekannt gebliebener Mönch diese Sätze in der Wolke des Nichtwissens. Er verstärkte sie noch dadurch, dass er alles Äußere, wie Körperhaltung, Ritual und Gebärde dem Nachrangigen zuordnete. Die heilige Sehnsucht, so die Botschaft, kann sich nicht kreisend aufhalten in geistverschlossenen Festschreibungen und Gebräuchen.

Die Erkenntnis aber, sich nicht einrichtend aufzuhalten, schließt selbstredend die Form und ihre Bedeutung nicht grundsätzlich aus. Eher im Gegenteil. Zur Lebenshaltung der Sehnsucht nach dem Absoluten gehört das Ritual; es ist Einübung und Hinführung, bereitet Geist und Körper, dient der symbolischen und wahrhaftigen Reinigung der Seele; es erinnert uns daran, wozu und woraufhin wir unterwegs sind. Ohne diese Erdung und Zentrierung verlören wir auch die göttliche Paradoxie aus den Augen, die sich als transzendent und immanent zugleich zu erkennen gibt.

Heilig nennen wir das, worin für uns das Absolute, das Göttliche, im Irdischen durchscheint. Aus ihm spricht Gegenwärtigkeit. In ihm wird der Atem des Numinosen spürbar. Etwas berührt dich. Es schimmert ein Hauch vom ewigen Licht. Wer diesen Schimmer in mehr und mehr Wirklichkeiten wahrnehmen kann, der lebt schon jetzt nahe am göttlichen Bereich, steht in stetiger Resonanz mit ihm; er spürt das an sich Schöpferische durch die Schöpfungswirklichkeit hindurch. So wird das Heilige uns allgegenwärtig.

Gleichwohl verdichtet es sich an bestimmten besonderen Orten, zu bestimmten und besonderen Gegebenheiten und Zeiten, in bestimmten Personen.

Moses erkannte es im Dornbusch. Es sprach zu Franziskus durch die Elemente, durch Pflanzen, Tiere und Menschen. Beide nahmen in tiefem Spüren diese Selbstmitteilung des Absoluten ernst, und sie nahmen sie in sich auf. Dadurch erfuhren sie selbst Heiligung, Heilung.

Heiliges scheint wie von Gott berührt und durchdrungen. Es gibt Zeichen von der Sehnsucht des Absoluten nach dem Leben – und wahrlich nicht nur des menschlichen Lebens.

Der Stern zu Bethlehem, das Stroh in der Krippe, die Tiere, die Hirten und die „heilige Familie“ erzählen davon. Die Weihnachtsgeschichte will uns so gleichnishaft erinnern…an die Präsenz des Transzendenten im Immanenten, des Ewigen im Zeitlichen, des Himmlischen im Irdischen, des Göttlichen im Seienden…

Weihnacht, die geweihte Nacht, so verstanden, meint:
Fließendes himmlisches Licht

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