Verwüstung und Stille

clausAllgemein

Die Frage, wie wir mit einer Welt und in einer Welt klarkommen, über der das Damoklesschwert der Selbstvernichtung hängt, fordert mehr als nur politische Korrekturen. Denn alte Gewissheiten und Sicherheiten haben längst begonnen, sich aufzulösen. Genau darin wartet nun aber die Chance, an dem Neuen zu weben, während das Alte vergeht und stirbt. Fundamental erscheint mir dabei, dem Vergehenden nicht sentimental nachzuhängen und Energie in Rettungsversuchen von Überlebtem zu verschwenden. Das allerdings setzt wahrhafte Einsichten voraus.

Zu ihnen gehört, dass wir in der Destruktivität der Gegenwart nicht länger lediglich eine fehlerhafte und unbedachte Entwicklung sehen, die wir bei frühzeitiger und besserer Einsicht hätten vermeiden können. Das Gegenteil ist der Fall. Der Weg, der hinter uns liegt, zeugt von geradezu atemberaubender Geradlinigkeit und Konsequenz. Er spiegelt eine verhängnisvolle Seite unseres Wesens, die sich im Verlauf der Jahrhunderte derart zu Systemen und Strukturen verfestigt hat, dass notwendige Korrekturen innerhalb der Systeme nicht mehr vorzunehmen sind. Das Wirtschaftssystem des globalen Kapitalismus steht beispielhaft, aber auch herausragend dafür.

Was wir hervorgebracht haben an Geist, Rationalität, Ökonomie, Struktur, Technik und Konsum entspringt also keinem evolutionären Zufall. Es war und ist gewollt. Und es hätte mit seiner Dynamik wohl keine wirklichen Alternativen in der Entwicklung zugelassen. Die Zerstörung der so genannten äußeren Natur und Umwelt folgte und folgt einer inneren Destruktivität des Menschen. Die Zersiedlung und Verwüstung dieses Planeten wurzelt in der Zerrissenheit unseres Innenlebens. Sie war und ist der Preis für einen langen historischen Prozess der Trennung und der Spaltung. In ihm hat sich unsere Gattung schrittweise aus der äußeren Natur herausgelöst, um sie sich konsumierend wieder neu einverleiben zu können. Damit wandelte sich auch die Identität des Menschen. Zunehmend fand sie sich wieder in dem, was trennt, im Anderssein, in der Differenz. Auf allen Ebenen vollzog sich diese Trennung – zwischen Mensch und Natur, Mensch und Mensch, und sie machte selbst vor dem Göttlichen nicht halt. Wer sich so von seinen Wurzeln und seinem wahren Wesen trennt, stellt sich außerhalb der Ordnung, der er selbst entstammt. Er sollte die folgende Verwahrlosung also nicht auch noch selbstmitleidig bejammern.

Nur der Weg in eine neue Verbundenheit mit dem Leben kann uns aus diesem Desaster retten. Nur eine Liebe, die alles umgreift und dem Lebensstrom selber entspringt, wird uns führen können. Doch diese Liebe kannst du nicht erdenken, nicht planen, nicht machen. Sie muss in uns erwachen. Im Strom der alltäglichen Ablenkungen und Todoes wird das nicht gelingen, es sei denn durch Gnade.

Hier nun beginnt der Weg nach Innen, der Weg der Sammlung, der Weg der Stille. Er spiegelt uns Schritt für Schritt unsere seelische Verfasstheit, in allen Facetten. Er lehrt uns – oft schmerzhaft und als langes Ringen – Loslassen, Befreiung und die Erfahrung von Verbundenheit und Einssein. So kann sich langsam eine neue, umfassende Liebe regen und in uns ausbreiten. In ihr wohnend, richten wir uns täglich neu auf das Leben aus. Irgendwann kannst du dann nicht mehr anders, als dem Leben bedingungslos zu dienen, verlässlich und treu – so wie echte Liebe sein sollte…
Wir können das sogenannte Außen verwandeln und heilen – durch die Verwandlung des Innen. Das meint, den Ruf der Liebe zuzulassen.
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