Trump lieben – ein kurzer Zwischenruf

clausAllgemein

Nun ist die Wahl also entschieden, und alle Augen richten sich auf den 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Ich schaue trotzdem noch einmal auf den scheidenden, mit seiner Wiederwahl gescheiterten Mann, der es wie kein zweiter in diesem Amt verstand, zu polarisieren und Zwietracht zu säen.
Die Bilder von Donald Trump, die mir in diesen Tagen nun begegnen, verkörpern einen Ausdruck ungläubiger Niederlage. Sie zeigen das Gesicht zerbrochener Erwartungen und einer in sich selbst zusammenfallenden Hybris. Es sind Bilder der Einsamkeit eines alleine im Oval Office leer vor sich hin schauenden Präsidenten. Auch in seinen Pressekonferenzen wirkt er auf einmal fast kleinlaut, trotz allen fortgesetzt trotzigen Beharrens. Und man meint in Mimik, Gestik, Körperhaltung und Sprachduktus die Unsicherheit, ja Angst zu spüren. Die Fassaden fallen, erste Vertraute im Team schleichen sich. Die persönliche finanzielle Lage ist desaströs. Es warten Prozesse wg. finanzieller Verfehlungen, der bewussten Missachtung von Fürsorgepflichten, sexueller Übergriffe, Vergewaltigungsvorwürfen…
Die kommenden Jahre werden vermutlich harte und bittere Jahre für den ehemaligen Trumpus Maximus, jenes Leittier einer Gattung von Politikgestalten, die es schaffen, ihre eigenen Allmachtsphantasien in Resonanz mit großen Teilen der Bevölkerung und diese damit auf ihre Seite zu bringen. Er hat sich diese Jahre verdient. Und doch mag ihn der Wunsch begleiten, darin in einer Weise gebrochen zu werden, oder besser, aufgebrochen zu werden, die Selbsterkenntnis ermöglicht und zulässt. Im Scheitern Werden, im Scheitern Wachsen, durch das Scheitern zum wahren Menschen aufstehen. Das ist Donald Trump zu wünschen. Denn auch in diesem Falle würde er durch sein So Sein wieder weit über sich selbst hinausweisen und hinauswirken. So könnte er den Menschen ein Beispiel für jene Würde geben, die nur im Zusammenbruch und in der Fruchtbarkeit bewältigter Niederlagen entsteht. Auch das wäre ein Beitrag, das Volk mit sich selber zu versöhnen, und dieser Beitrag wäre außerordentlicher kaum zu denken.
 
Auch hinsichtlich Donald Trump gilt das Gebot der Nächstenliebe; gerade bezüglich ihm, weil es da nicht so leicht fällt, wie bei dem kranken Nachbarn um die Ecke. Und es heißt ja weiter, dass wir unseren Nächsten lieben sollen wie uns selbst. Die auf die Seele von Trump gerichtete Zuneigung, auf die Seele also eines bockigen, spätpubertären Großmauls ohne Anstand, ist eine Zuneigung auch zu Anteilen von uns selber hin. Umarmung statt Abgrenzung, Abspaltung und Vergessen. Heilsam bewältigen und integrieren, statt sich erhaben dünken.

So begleiten meine aufrichtigen und besten Wünsche einen Mann, der selbstverschuldet und mit allem Fug und Recht einen für ihn außerordentlich schweren Weg vor sich haben wird. Ihm, wie gelegentlich zu lesen oder zu hören, die Pest an den Hals zu wünschen, oder nun einfach über ihn hinwegzugehen, hieße, Gift in die eigene, die Menschheitsseele zu träufeln.

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