Strukturelle Sünde

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Noch so viel Einsicht…Noch so viel Betroffenheit…Noch so viel Bemühen… Du hast das Gefühl, gegen Wände zu laufen. Immer wieder. Du möchtest ökologisch, erd- und lebensverbunden leben, und kommst doch an Plastik, an Automobilität oder an vergiftender Chemie in so vielem, was dich umgibt und was du nutzt, nicht vorbei. Du isst schon so lange kein Fleisch mehr, fliegst nicht, reduzierst das Schädliche, wo es dir möglich ist – doch dein ökologischer Fußabdruck in dieser Kultur bleibt ein Desaster. Wirklich nachhaltige, gerechte und dem Leben dienende Verhaltensoptionen sind kaum oder nur mit erheblichem Bemühen und durch gravierende „Kosten“ umzusetzen. Dem … weiterlesen

Weltfremdheit

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Die Gedanken von „Verwüstung und Stille“ in meinem letzten Beitrag möchte ich noch kurz fortführen. Die Verwüstung im Äußeren, die spiegelbildlich dem Inneren des Menschen folgt, führt uns in einen Zustand, den wir als Weltfremdheit bezeichnen können. Sie begann, als wir die Bindung an unseren Ursprung und unsere Beheimatung im kosmischen Ganzen schrittweise abschnitten und uns in der Folge selbst fremd wurden. Je unerbittlicher wir uns darin zeigten, nicht nur die Materie zu beherrschen, sondern das Leben an sich, umso mehr löste sich die Empfindung der Verbundenheit auf. Das Ich rückte fortan ins Zentrum, und es bewegte sich in eine … weiterlesen

Verwüstung und Stille

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Die Frage, wie wir mit einer Welt und in einer Welt klarkommen, über der das Damoklesschwert der Selbstvernichtung hängt, fordert mehr als nur politische Korrekturen. Denn alte Gewissheiten und Sicherheiten haben längst begonnen, sich aufzulösen. Genau darin wartet nun aber die Chance, an dem Neuen zu weben, während das Alte vergeht und stirbt. Fundamental erscheint mir dabei, dem Vergehenden nicht sentimental nachzuhängen und Energie in Rettungsversuchen von Überlebtem zu verschwenden. Das allerdings setzt wahrhafte Einsichten voraus. Zu ihnen gehört, dass wir in der Destruktivität der Gegenwart nicht länger lediglich eine fehlerhafte und unbedachte Entwicklung sehen, die wir bei frühzeitiger und … weiterlesen

Rose im Eismeer

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Mit abermilliarden Galaxien und steigender Geschwindigkeit dehnt sich das Universum von Unendlichkeit zu Unendlichkeit aus. Für uns Menschen ist dieser Weltenraum, zumindest in den allergrößten Teilen, lebensfeindlich, kalt, unwirtlich – bis auf die Erde, die Mutter des einzigen Lebens, das wir bisher kennen. Wie eine Rosenblüte in gigantischem Eismeer treibt sie still vor sich hin, zart, zerbrechlich, erhaben. Über Milliarden von Jahren haben sich auf ihr lebensfreundliche Bedingungen entwickelt. In ihnen ermöglicht und dient das Leben sich selbst. Haben wir das wirklich verstanden, dann ahnen wir auch, dass der Planet dem Leben gehört, nicht nur einer Gattung und schon gar … weiterlesen

Die Rückkehr des Mythos

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Seit es die menschliche Kultur und damit die Frage nach dem Sinn des Seins gibt, bestimmen Mythen das menschliche Bewusstsein. Sie stammen aus einem tiefenkulturellen, überzeitlichen Seinswissen. Manche geben Antworten auf die großen Menschheitsfragen. Sie deuten das Unerklärliche, mahnen, zeigen den Weg, schenken Hoffnung. Sie verweisen auf das Größere, zielen auf das Ganze des Seins und der Wirklichkeit von Welt. Recht verstanden, befreien sie den Menschen zu seinen schönsten Möglichkeiten. Aber es ist ihnen auch eigen, missverstanden und instrumentalisiert zu werden. Zudem verhindert ihr Absolutheitsanspruch oft zeitbezogene Deutungen, die sich auf neue Erkenntnisse stützen. Dann wächst auf ihrem Boden Fundamentalismus, … weiterlesen

Früher war alles besser…

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…sagen Menschen mit einem schwindenden Gedächtnis. *** In seinen letzten Lebensjahren wirkte mein Vater (1920 – 2008) oft sehr abwesend, wenn ich einmal im Monat meine hessische Heimat besuchte. Beim gemeinsamen Essen ging sein Blick oft in eine gegenstandslose Ferne, oder er saß mit gesenkten Augen still da. Einmal fragte ich: „Papa, wo bist Du gerade?“ Nach einem Schweigen, das mir sehr lang vorkam, dann die Antwort: „Eigentlich lebe ich nur noch in meiner Jugend.“ Die Erinnerung ist ein ganz eigener Lebensraum, den nur wir selber einrichten und gestalten. Wir wählen aus, wertschätzen, verwerfen, und viele dieser „Entscheidungen“ geschehen unbewusst. … weiterlesen

Innere Ausrichtung

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Wir haben immer Möglichkeiten. Jede Ohnmacht, jedes Scheitern und auch schlicht jede existentielle Frage führen uns zu Optionen, sich dem Leben neu zuzuwenden. Gleichzeitig sind unsere Möglichkeiten endlich. Das erfordert Orientierung, Bereitschaft zur Auswahl und Entscheidungsklarheit. Die ersehnte Neupositionierung im Leben verweist damit auf die Vorbedingung  einer sinnstiftenden und kräftigenden Instanz. Wir brauchen eine Vorstellung, ja die innere Gewissheit davon, wohin wir wollen. Es geht dann um nicht mehr und nicht weniger als den nächsten Schritt im Streben nach der uns als Person möglichen Weise der Vollendung. Dabei gilt es, sich weder zu mindern, noch einer Selbstüberschätzung zu erliegen, noch … weiterlesen

Versuchung und Willensfreiheit

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Wenn wir Menschwerdung als die Befreiung zur bewussten Entscheidung verstehen, dann kann es eine grundsätzliche Vorbestimmung des Lebens, auch zum Bösen, nicht geben. Wohl aber verfügt jedes menschliche Wesen über Spielräume an Anlagen, Vermögen und Erfahrungen, innerhalb derer er sich zum Guten oder zum Bösen hin entscheiden kann. Gut und Böse treten, so besehen, ins Sein als Konsequenz eines Willensaktes. Auf ihm beruht jedes bewusste Handeln, jedes Tun oder Nicht-Tun. Dieser Wille kann hinsichtlich der Frage von Gut und Böse nicht neutral sein. Und dies trifft sowohl auf den Willen zu, der aus der Freiheit als Wahl resultiert, als auch … weiterlesen

Der Sündenbock

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In der Sündenbocksymbolik und im Sündenbockritual haben Gemeinschaften und Kulturen einen Weg gefunden, um kollektive Unzufriedenheit und Gewaltbereitschaft zu disziplinieren. Das biblische Buch Levitikus schildert die Entstehungsgeschichte dieses Rituals, das am Tag der Sündenvergebung, Jom Kippur, das Volk Israel symbolisch von seiner Schuld befreit. Gott weist Mose an, wie das Ritual zu vollziehen ist: Neben zwei Opfertieren für ein Sünd- und für ein Brandopfer soll zu Aaron ein lebender Bock gebracht werden. „Aaron soll seine beiden Hände auf den Kopf des lebenden Bockes legen und über ihm alle Sünden der Israeliten, alle ihre Frevel und alle ihre Fehler bekennen. Nachdem … weiterlesen

Das Begehren als Motor des Systems

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„Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ (Matthäus 6;21)   Die herrschende Ökonomie sucht die edle Sehnsucht des Menschen vom unbedingten, zeitlosen und wahren Gut hin zum bedingten und austauschbaren zu bewegen. Denn hängt das Herz erst einmal am Ding, kann es beliebig manipuliert werden. Zerbricht eine mit Dingen verbundene Sehnsucht, Erwartung oder Hoffnung, so hält die Schatztruhe der Verführung zahllose glitzernde Ersatzstoffe und Sinnplacebos parat. Nun tritt die Begehrlichkeit ins Spiel. Sie führt in die Versuchung und wenn sie dieser nachgibt in die Verfehlung. Begehrlichkeit als maßloses Wollen trägt und verhärtet die Ich-Struktur. Sie streckt sich nach … weiterlesen