Die längste Reise

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Die Dehnung der Zeit durch Bewegung und Gravitation, wie Albert Einstein sie in seiner Relativitätstheorie beschreibt, bezieht sich auf äußere, auf physikalische Prozesse. Diese sogenannte „Zeitdilatation“ ist meß- und berechenbar. Anders die Dehnung der Zeit in unserer subjektiven Wahrnehmung. Ihr Messinstrument ist die Empfindung. Ruhe, Entschleunigung und vor allem Stille sind ihre besonderen Verursacher. Durch die Dehnung der persönlichen Empfindungszeit eröffnen sich neue Blickweisen mit einer ganz eigenen Tiefenschärfe. Es ist wie bei einem Akkordeon, das die Verzierungen auf dem Balg dem Blick erst freigibt, wenn das Instrument auseinandergezogen wird. Wir erleben momentan eine für unsere Kultur völlig außergewöhnliche persönliche … weiterlesen

Strahlenkranz der Pandemie

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Es liegt eine außerordentliche, eine evolutionäre Chance in dem Geschehen, das die Menschheit überraschte wie ein Dieb in der Nacht. Ohne irgendetwas an persönlichen Schicksalen verharmlosen zu wollen, müssen wir die weltweiten viralen Prozesse in diesen Tagen als einen dramatischen Weckruf der Evolution sehen. Wir erhalten das Angebot zu einem Crashkurs in der überlebensnotwendigen Umkehr und Neuausrichtung. Alles deutet jedoch vorerst darauf hin, dass wenn die Infektionswellen abflachen und schließlich versanden, die Wirtschafts- und Mobilitätsturbinen wieder hochgefahren werden wie bisher. China macht das gerade vor, um den Wachstumseinbruch in Grenzen zu halten. Die Regierung Trump kündigt es unabhängig von der … weiterlesen

Ruhe legt sich über das Land

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Der Mensch der Gegenwart hat sich selbstgewiss in dem Glauben eingerichtet, er sei der Regisseur in dem Drama, das seine Lebensverhältnisse und Lebensbedingungen aufführt. Ja, er sei nur dann eigentlich er selbst, wenn er dieser Einbildung keinen Zweifel gegenübersetze. Covid 19 schreibt das Drehbuch neu. Der Regisseur gibt ungewollt nun den Komparsen, mit wechselnden Kostümen. Besonders beliebt ist dabei das des Cricetus, auch Hamster genannt. Doch die schwere narzisstische Kränkung, die mit dem Entzug der Handlungsvollmacht einhergegangen ist, kann nicht ansatzweise dadurch besänftigt werden, dass die Wände der heimischen Burg mit Mehl, Toastbrot, Seifenspendern und Toilettenpapier verstärkt werden. Wirklich mehr … weiterlesen

Bote und Begleiter

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Es scheint mir nicht leicht, etwas in Worten zu umschreiben, das unseren sinnlichen Augen nicht oder nur indirekt zugänglich ist. Es macht es auch nicht leichter, wenn man dabei auf herrschende theologische Lehren und Lehrsätze genauso verzichten will wie auf esoterische Gefühlsduselei. Hinweise soll allenfalls das geben, was sich seit Jahrtausenden in der Tiefenkultur der Menschheit als Bewusstsein und als innere Regung bei unzähligen Menschen beheimatet und verankert hat. Es geht um Engel. Das Wort hat seinen Ursprung im griechischen angelos, der Übersetzung des hebräischen mal’akh, was göttlicher Bote, Gesandter meint. Engel tauchen nicht erst mit den Hochreligionen wie Judentum, … weiterlesen

Der andere Blick

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Manchmal frage ich mich, was Augen sähen, die aus einer anderen Dimension auf das Erdgeschehen und unser alltägliches Tun blickten. Einzelne Menschen, Länder, ja die Menschheit an sich würden sich als etwas zeigen, das nahezu vollständig in sich selbst verfangen ist und sich darin verliert. Von Nachrichten gelähmt, die Sinne in das Geschehen der äußeren Welt hineingesaugt, im Kontrollgriff selbstbezogener Bedürfnisse und Erwartungen, präsentierte sich der Mensch als Spielball einer großen Illusion. Während die Erde in stetem Rhythmus ihre Kreise durch das Sonnensystem zieht, „Dinge“, Lebensformen, Zeitalter hervorbringt und wieder überwindet, sieht er sich selbstverliebt im Zentrum des Geschehens und … weiterlesen

Evolution der Fortpflanzung

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Im Zuge der Diskussionen um das Erdklima, das Artensterben und die Misshandlung unseres Planeten taucht als einer der wesentlichen Gründe die „Überbevölkerung“ auf. Wir sind zu viele für das sensible Gleichgewicht des Lebewesens Erde, sind zu selbstbezogen, zu anmaßend, zu gierig, zu gefräßig. So lautet das pauschale Urteil, und pauschal betrachtet, ist es so weit auch richtig. Doch es macht einen Unterschied, auf eine Masse von knapp acht Milliarden Menschen zu schauen oder auf jedes einzelne Menschenwesen, auf eine abstrakte Zahl oder auf Leben, das uns begegnet und das wir selber auch sind.Dann kommt es zu den entscheidenden Fragen: Was … weiterlesen

Relativität des Bösen

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Wenn wir das Böse als Kontrapunkt zum Guten sehen, als seine polare Ergänzung, so liegt darin zwar eine Wahrheit, doch zugleich greift dieses Bild zu kurz. Beide trennt nicht nur die innere Ausrichtung und handlungsbezogene Orientierung, sondern ein elementarer Wesensbestandteil. Denn im Gegensatz zum Guten, Lebensdienlichen, dem Sein und Werden Zugewandten, vermag das Böse aus sich selbst heraus nichts von Bestand zu schaffen. Es lebt davon, sich gegen etwas Bestehendes zu wenden. Sein Antrieb ist die Destruktion, die Spaltung, die Schädigung, die Vernichtung. Im ersten Teil seines Faust lässt Johann Wolfgang von Goethe Mephistopheles im Studierzimmer zu Faust sagen: Ich … weiterlesen

Der Schauende

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Er war der Großmeister der Scholastik, Heiliger, Kirchenlehrer und Verfasser des bis heute wohl bedeutendsten theologischen Werkes, der Summe der Theologie (summa theologiae). Er versöhnte Philosophie und Theologie und betonte Klugheit, Erkenntnis und Vernunft hinsichtlich der großen metaphysischen Fragen. Thomas von Aquin (1225-1274) erschuf ein außerordentliches geistiges Universum, das ihm u.a. den Namen doctor angelicus, der engelgleiche Lehrer, einbrachte. Diese Vorrede ist notwendig, um das Ausmaß dessen zu verstehen, was sich auf dem Höhepunkt seines Schaffens ereignete. Am Nikolaustag 1273 soll Thomas laut Berichten, die sich auf seinen Sekretär stützen, während einer Feier der heiligen Messe eine innere Erfahrung gemacht … weiterlesen

Äußere Welt und innere Kraft

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Die äußere Welt gleicht im öffentlichen, medialen Bewusstsein einem aufgewühlten Meer. Nachrichtenstürme aus verschiedensten Richtungen peitschen es auf. Brennende Länder, Viren, Krieg und Migration, menschliche Katastrophen, leidende und sterbende natürliche Mitwelt… Wie in diesem Toben die Koordinaten des eigenen Lebens im Gleichgewicht halten? Wie auf der Skala des realen und des bloß inszenierten Grauens die angemessene Relativität wahren, auch um selber handlungsfähig zu bleiben? Es geht wahrhaft nicht darum, bei einem der angesprochenen Themen in Verniedlichung zu rutschen, um Erträglichkeit zu steigern. Es geht auch nicht darum, in Abrede zu stellen, dass wir manchen großen Kampf, wie der Schriftsteller Jonathan … weiterlesen

Ewigkeit

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Sie scheint ein Reich weit jenseits aller Zeit und aller Grenzen. Aus dem Irdischen taugt kein Maßstab. Fassbare Koordinaten zerfließen in Hoffnungen, Träumen und Sehnsüchten. Großvater, was ist das, Ewigkeit? Weißt du, mein Junge, das weiß niemand so genau, aber ich erzähle Dir dazu eine Geschichte: Hinter allen Kontinenten und am Ende aller Meere ragt eine mächtige Insel aus dem Ozean. Sie ist aus reinem Diamant und bleibt den Augen der Menschen verborgen. Nur Engel und Vögel können sie sehen. Einmal in 100 Jahren kommt ein Adler geflogen, setzt sich auf die Spitze des Berges und wetzt seinen Schnabel daran. … weiterlesen