Die Unschuld der Stille

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Für so manchen Zeitgenossen wirkt sie unheimlich. Da ist kein Futter für die ausgetretenen Wege der Gedankenlabyrinthe, kein Anstößiges, um sich aufzuregen und ins sofortige Urteilen zu gehen. Kein äußerer Reiz lockt, kein unruhiges, gieriges, manchmal frevelhaftes Spiel der Augen; keine ablenkenden Töne. Die Fülle der Stille hat keine Ecken und Kanten, keinen Überfluss an Phänomenen, die Aufmerksamkeit beanspruchen. Man kann von der Zeit, in der wir leben, auch als von derjenigen sprechen, die der Stille zum Feind wurde. Sie erträgt sie nicht. Die dünne zivilisatorische Haut trägt Brandzeichen aus dem Krieg gegen die Stille. Sie darf nicht sein – … weiterlesen

Grenzräume

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Naturgesetzlich sind sie uns beigegeben. Unablässig werden wir mit ihnen konfrontiert, stoßen wir an sie. Grenzen begegnen uns in der Zeit und im Raum, doch der Begriff, das Verständnis und die entsprechende Beschreibung sind auch in die soziale und psychologische Sphäre eingewandert. Nichts entkommt der Grenze. Was sie mit uns macht, trägt durchaus als ambivalent empfundene Züge. Mal tritt sie als Zurückweisung, ja Kränkung in unsere Wahrnehmung – als das, was sich Sehnsucht, Wunsch und Regung entgegenstellt. Einengend wirkt sie, sich unerbittlich vor dem Freiheits-, Ausbreitungs- und Überschreitungsdrang aufbauend. Dann wiederum stiftet sie Schutz und das Empfinden von Geborgenheit, schenkt … weiterlesen

Was für ein Zauber…

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Die Welt, in der wir leben, ist kalt und nüchtern geworden durch die Weisen, in denen wir auf sie schauen, über sie reden, sie missbrauchen und verbrauchen. Von ihrer Entzauberung sprach der deutsche Soziologe Max Weber bereits vor gut 100 Jahren und dass man im Wahn der Intellektualisierung und Rationalisierung glaube, alles durch Berechnung beherrschen zu können. Gewiss, Mannigfaches, was in früheren Epochen als geheimnisvoll galt, haben der wissenschaftliche Geist und unermüdliches Forschen auf sachlich begründete Nachvollziehbarkeit reduziert. Mancher Zauber und manches sogenannte Mysterium wurden so entkleidet, dabei jedoch zugleich das Kinde hin und wieder mit dem Bade ausgeschüttet. Denn … weiterlesen

Der Zwischenraum

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Wenn wir atmen, spüren wir diesen kleinen Moment, weniger als ein Augenblick, die Ahnung nur von einer Leere zwischen dem Ein- und dem Ausatem. Es ist weder das Eine, noch das Andere. Eine kurz aufscheinende Stille. Doch als Inmitten unentbehrlich. Jene Zwischenraum genannte Zeit-, oder Raum-, oder Zeitraumspanne hat etwas Unbestimmtes, Unerkanntes, Geheimnisvolles. Und sie begegnet uns auf zahlreichen anderen Ebenen im Leben – als Seinsweise zwischen Nicht-Mehr, Schon-Jetzt und Noch-Nicht. Hier bereitet sich etwas vor, als Gelingen oder als Verwehen; als Geburtsregung von etwas völlig Neuem, bislang nicht Erlebten; oder auch als Fortführung einer Schleife in der Zeit. In … weiterlesen

Stilles Zuhause

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„Aber das Wehende höre,die ununterbrochene Nachricht,die aus der Stille sich bildet…“(Rainer Maria Rilke) Stille … Das Universum tiefer innerer Stille liegt jenseits einer dem äußeren Auge verborgenen Tür. Ein anderes Wort dafür ist Heimat. Für einen Moment lang kommst du zu Hause an und weißt von nun an, dass dieser weite Raum immer für dich offen und dass er unzerstörbar ist. Vielleicht klingt das fremd für einen Menschen, der in der Vorstellung und der Empfindung lebt, dass das, was uns an Äußerem umgibt und worin wir unser vorüberstreichendes Leben füllen, auch unser wahres Zuhause sei. Solche Fremdheit kann sich auflösen, … weiterlesen

Alles was Odem hat …

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Ein Frühlingstag. Es mag 1954 oder 1955 gewesen sein. Unruhig vertrieb ich mir die Zeit auf dem Hof vor der Schule, in der meine Eltern, meine Schwester und ich wohnten. Mein Vater war Lehrer in dem kleinen oberhessischen Dorf. Besuch hatte sich angekündigt, der irgendwann zum Sonntags-Kaffee kommen wollte. Verwandte aus dem Oldenburger Land. Sie hatten einen großen Bauernhof, dort, wohin der Krieg nicht direkt gekommen war. In meinem kindlichen Verständnis mussten sie reich sein, denn mein Vater hatte erzählt, dass sie einen Opel Kapitän fahren. In unserem ganzen Dorf gab es damals nur zwei Autos, Volkswagen Käfer, noch mit … weiterlesen

Pro Fanum – Was ist heilig?

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Vielleicht liegt es daran, dass schon zu allen Zeiten Menschen an der Unzulänglichkeit dessen gelitten haben, was sie Realität nennen. Das Unbefriedigende, als ungerecht Empfundene, das nicht Hinlängliche bezogen auf ein Ideal von Sein und Werden. Da muss doch mehr sein…!Und manchmal bricht dann wirklich unvermittelt etwas in das Zeitliche und uns Gegebene ein. Als heilig wird es dann bezeichnet. Zum Heiligen wird uns das, was auf unvergleichliche Weise im Innersten berührt. Ein Schauder überkommt, im Zwischenraum von Sehnsucht und Ehrfurcht. Dafür einen Ausdruck zu finden, strecken Worte sich vergebens. Dem Klang jedoch kann dies gelingen; einer Komposition, in der … weiterlesen

Es gibt eine Grenze – Kunst

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Die Kleckerangriffe der Letzten Generation auf bekannte Bilder geben Anlass, kurz über das Verhältnis von Kunst und Widerstand zu reflektieren. Zunächst jedoch sei festgehalten:Diese leidenschaftlichen und selbstlosen Verteidiger der Erde genießen meine Hochachtung. An den neuralgischen Punkten eines verstörenden Alltagsverhaltens in die Normalität zu intervenieren und eine Konsumkultur zu irritieren – das ist nicht kriminell, das ist in der gegenwärtigen Weltsituation geboten! Solcher zivile Ungehorsam wurde vor allem durch Mahatma Gandhi weltbekannt. In Deutschland erlebte er in den achtziger Jahren eine Blüte bei den Aktionen gegen Atommülllager, Flughafenerweiterungen und die Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen. Heute ist die Dringlichkeit aufzubegehren noch einmal … weiterlesen

Nr. 27

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Betrachten wir die letzte Klimakonferenz als eine Erzählweise für Vernunft, Verantwortung und menschliches Vermögen – so stehen wir vor einem Menetekel. An die Wand der Geschichte wurde ein ultimatives Zeugnis des Versagens gemalt. Die erdpolitischen Folgen werden verheerend sein. Was die Bedrohungen durch den Klimawandel betrifft, wurde nichts getan, im Gegenteil. Sicher – ein Folgenausgleich-Fonds für ärmere Länder soll kommen, so dass man gewiss sagen kann: Wenn wir uns schon hochbewusst und sehenden Auges für die Katastrophe entscheiden, dann mag es dabei doch wenigstens etwas gerechter zugehen und mit nicht ganz so schlechtem Gewissen seitens der Haupt-Verursacher-Staaten gegenüber den armen … weiterlesen

Nicht länger warten

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Kein Warten mehr auf fernes HeilKein Trost mehrDer im Morgen liegt Die Zeit ist erfülltDie Ewigkeit schon längstIn uns hereingebrochen Worauf wir hoffenIst schon immer daUmgibt unsLiegt vor unsLebt in uns Durchschwingt den geistigen RaumWie ein in die UnendlichkeitSich ausbreitender KlangSingt seine Melodie des Lebens Verschlossen nur unsere AugenBetäubt die OhrenVerstockt das HerzZu sehr in Traurigkeit gehüllt die SeeleErloschen das VertrauenIns Jetzt Die Hoffnung versklavtAn BilderErwartungenErinnerungen An den Lärm verlorenWas sich nach Stille sehnt Mitgerissen im Sog der GeschehnisseWo wir Fels sein wolltenIm Strom Und in der Brandung Betört vom stechenden Blick der SchlangeDem Rotkehlchen gleichDas kurz vergaßDass es Flügel … weiterlesen