Ich will verstehen

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Ich will verstehen… Empathie ist eine besondere Wahrnehmungsweise. Sie hebt in das Bewusstsein, was Menschen verbindet, und sie aktiviert diese Verbindung. Vorsichtig tastend bewegt sie sich zwischen Nähe und Distanz, Fremd- und Selbstwahrnehmung, Ich- und Wir-Verständnis. Umschreiben lässt sich diese behutsame Bewegung als Zeugenschaft. Als Zeuge bin ich zunächst nicht an einer auf den Anderen gerichteten Problemlösung beteiligt. Vielmehr suche ich die unmittelbare Begegnung mit dem, was das Du berührt. Das macht die Empathie unterscheidbar vom Mitleid. Die fremde Empfindung, die ein Mensch einfühlsam wahrnimmt, darf nicht zu seiner eigenen werden, wenn er eine Situation und die Anteile anderer Menschen … weiterlesen

Innerer Weg und äußeres Schicksal

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Innerer Weg und äußeres Schicksal Keine Weltverbesserung erwächst ohne Selbstverbesserung. Jean Gebser spricht diesbezüglich von einer „… Voraus­nahme jener Schmerzen und Qualen, die, nehmen wir sie nicht freiwillig voraus, uns in dem sonst notwendigen Zusammenbruch persönlichen und universellen Charakters auferlegt würden. Wer sich … seinem Auftrag, der ein geistiges Ansinnen ist, entzieht, handelt gegen den Ursprung. Wer gegen ihn handelt, hat keine Gegenwart, heute so wenig wie morgen … Ein jeder ist frei es zu leisten. Wer diese Freiheit verspielt, verspielt sein Leben und seinen Tod.“ Auch wenn es immer Menschen gibt, die ein Voraus an Einsicht, Willen und Erfahrung haben und von denen wir … weiterlesen

Der ganze Kosmos ist unser Leib

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Der ganze Kosmos ist unser Leib Der Gedanke einer universalen Wirklichkeit als Einheit in Unterschiedlichkeit tauchte in den großen Weisheitstraditionen der zurückliegenden Jahrtausende immer wieder auf. Exemplarisch sei das apokryphe, nicht kanonisierte, Thomas-Evangelium genannt, das auch eine schlichte und zugleich grandiose Synthese westlicher und östlicher Spiritualität darstellt. Die Überwindung aller Dualismen und dem menschlichen Geist entspringender Trennungen findet sich dort als durchgehendes Motiv. „Jesus sprach: Wer das All erkennt und sich selbst verfehlt, verfehlt das Ganze.“ (Spruch 67) „Jesus sprach: Ich bin das Licht, das über allem ist. Ich bin das All. Das All ist aus mir hervorgegangen, und das … weiterlesen

Darf es etwas weniger sein?

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Darf es etwas weniger sein? Die Menschheit braucht nicht nur technische Entwicklungen um ihrer eigenen Entwicklung willen. Für eine humane und mit der Erde versöhnte Zukunft benötigt sie sogar noch mehr Erfindergeist und eine noch höhere Entwicklungsgeschwindigkeit als bisher. Ohne neue, sanfte und saubere Technologien in großem Maßstab wird es nahezu unmöglich sein, der ökologischen, technologischen und ökonomischen Krisen auch nur in Ansätzen Herr zu werden. Zuvor jedoch werden wir endlich lernen müssen, Technik neu zu sehen, zu verstehen, ja zu empfinden. Und das setzt voraus, auf all jene Errungenschaften konsequent zu verzichten, die sich als lebensfeindlich erwiesen haben. Dabei … weiterlesen

Geist und Universum

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Geist und Universum Seit den Anfängen des Philosophierens und Theologisierens wird die Menschheit von der Frage bewegt, welcher Platz ihr denn unter dem Sternenzelt zukomme. Kreist die Sonne um die vom Menschen bewohnte Erde, ja kreist nicht alles um uns? Kann es dann anders sein, als dass Mensch und Erde das Zentrum des Universums schlechthin bilden? Bekanntermaßen hat die Antwort auf diese Frage prominente Opfer gekostet. Heute lehren uns Astronomie und Astrophysik, dass die Sonne zwar im Zentrum unseres Sonnensystems liegt, es aber keinen räumlichen Mittelpunkt des gesamten Universums gibt, allenfalls einen zeitlichen, den Urknall. Von daher macht es auch … weiterlesen

Angst

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Angst Die Herausforderungen für ein lebensdienliches Sein, in denen wir alle stehen, konfrontieren jeden einzelnen Menschen und unsere Gattung insgesamt mit der dramatischen Notwendigkeit zu einer konvivialen Entwicklung. Ansonsten wird sich das Projekt Menschheit in absehbarer Zeit von selbst erledigen. Dass in diesem Zusammenhang Angst und Sorge sich ausbreiten, ist selbstverständlich und notwendig, aber auch mit Ambivalenz verbunden. Da liegt das Neue, das wir erreichen wollen und erreichen müssen, als Anforderung und Erwartungshaltung vor uns – mit aller damit verbundenen Unsicherheit. Gleichzeitig suggerieren die Lebenskoordinaten, in denen wir uns noch immer komfortabel bewegen, eine scheinbare Sicherheit. So tritt dann neben … weiterlesen

Letzter Grund

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Letzter Grund Worin gründen eigentlich unsere Maßstäbe? Woher kommt die Orientierung? Auf welchem Fundament bauen wir unser Leben? Lassen wir einmal die selbstverständlichen Faktoren wie Kultur, Erziehung, Sozialisation beiseite, stellt sich die Frage nach dem eigenen Seins- und Wesensgrund. Es ist die Frage nach der Quelle in uns, nach der Ursprungskraft, jenseits aller externen Prägungen. Woraus also können wir auch dann noch schöpfen, wenn die äußeren Koordinaten und das auf sie bezogene Innen des Menschen sich auflösen, kollabieren oder uns entgleiten? Dann sind wir auf uns selbst geworfen und werden erinnert, immer wieder ganz neu und ganz unten, ganz tief … weiterlesen

Sackgasse der Natur (?)

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Sackgasse der Natur(?) In einem 1925 gehaltenen Vortrag wies der deutsche Soziologe Max Scheler darauf hin, dass der „… Mensch als Vitalwesen ganz ohne Zweifel eine Sackgasse der Natur …“ sei. Zugleich aber liege in ihm als Geistwesen der „herrliche Ausweg aus dieser Sackgasse.“ Dem Gedanken, dass nun das Reich des Geistes die Führung über eine absurde und in die Ausweglosigkeit treibende Seinsweise übernehmen muss, lässt sich zustimmen. Wandlung und die Freisetzung der in uns ruhenden Potenzen kann ohne einen Neuentwurf von Sinn, der neue Realitäten schafft, nicht erwartet werden. Dafür hat sich unsere Evolutionsstufe als zu selbstverliebt und zu blind, zu … weiterlesen

Das Narrenschiff

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Das Narrenschiff Mit der Moralsatire „Das Narrenschiff“ hielt Sebastian Brant (1494) seinen Zeitgenossen den Spiegel vor und erinnerte sie daran, dass wenn die alten Schriften und Lehren verachtet werden, „die ganze Welt in finstrer Nacht“ zu leben verurteilt ist. Reinhard Mey hat 2016 das Thema in einem Lied aufgegriffen, in dem es unter anderem heißt: Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm, Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine. Und rollen und Stampfen und schwere See, Die Bordkapelle spielt „Humbatäterä“ … Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten. Die Seen … weiterlesen

Schwundform des Potentiellen

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Schwundform des Potentiellen Dass die aktuell weltweit herrschende Politik meint, in ihrer Sicht der Dinge ohne Rückbezug auf die großen Denker der Vergangenheit und Gegenwart analysieren zu können, macht die Bewältigung des Gegenwärtigen nicht leichter. Das schließt die hinlänglich bekannten Problemlösungsstrategien und das entsprechende Handeln mit ein. Philosophen, Liebhaber der Weisheit und Visionäre sind an den Verhandlungstischen der Machteliten nun wahrlich nicht willkommen. Und so werden Gegenwart und Zukunft nicht als große Menschheits-oder Gesellschaftsentwürfe erträumt, erstrebt, entworfen und mit Pioniergeist und Leidenschaft angegangen, sondern sie werden schlicht und einfach gemacht. Über Generationen gewachsene Intransparenzstrukturen schließen dabei eine wirksame Kontrolle durch … weiterlesen