Das Fest

clausAllgemein

Das „Fest“ hat schon vor langer Zeit einen dramatischen Bedeutungswandel vollzogen. Dieser ereignet sich zumeist da, wo Individualismus, Hedonismus und Trägheit des Geistes eine unheilige Allianz eingehen. Das Fest wird dann zum bloßen Feiern verstümmelt, der Anlass, gleich welcher Art, transportiert lediglich noch den Grund, sich gehen zu lassen. Doch das als Fest deklarierte Feiern, genau wie der in Überfluss erstickende Müßiggang, haben mit dem Ursprungsgedanken des Festes nichts gemein. Es ist allenfalls der verzweifelte Versuch, sich das Erhabene zu erkaufen und verzehrend zu vereinnahmen.
Nehmen wir etwa die großen liturgischen Feste der Christenheit: Weihnacht, Ostern, Pfingsten. An sich stehen sie für Verzauberung, Verwandlung, Erneuerung. Fest und Authentizität bilden dabei eine verschmolzene Einheit. Mit pseudofestlich inszenierten kirchlichen Ritualen, die kulinarische Familienfeiern bloß folkloristisch garnieren, können sie genauso wenig den Tisch teilen wie mit als „Advent“ maskierten Konsumorgien. In welch bitterer Ernüchterung müsste das Pseudofest aufschlagen, würden seine Protagonisten nach der wahren und tiefen Bedeutung befragt.

Das Fest täuscht nichts vor. Es ist, was es feiert.
Was meint das?

An die tiefsten Fragen, die mit dem Sein verbunden sind, will und soll uns das Fest erinnern.
Es dient keinem äußeren Zweck, keinem Um Zu.
Es stillt keinen Nutzen.
Es kommt aus der puren Bejahung des Seins, das Schmerzende, denTod und das mit Trauer Versehene inbegriffen.
Es ruht, wie Josef Pieper schrieb, „auf dem Grunde der Gewissheit, dass Welt und Dasein aufs Ganze gesehen im Lot sind.“

Mit der im Fest zum Ausdruck kommenden Freude am Sein schreibt sich gleichsam das JA fort, das in der Schöpfungsgeschichte im Satz zum siebten Tage ausgesprochen wird: Und siehe, es war sehr gut.
Der Sonntag ist, so betrachtet, die Urform des Festes in unserer Kultur, eine Spielart gleichwohl, die sich in Abwandlungen in allen Kulturkreisen und -weisen findet.

Es wäre nun aber verfehlt, würde man das Fest auf das reduzieren, was als das ganz Andere dem Alltäglichen gegenübersteht, einen gleichsam „heiligen“ Bezirk verkörpernd. Nein, es lebt von dem Bezug zum Alltag, ist ja darauf verwiesen, allein schon dadurch, dass es den alltäglichen Rahmen, der uns so begrenzt, sprengt. Es will aus der Verfangenheit in Lebensroutinen holen, die alle Aufmerksamkeit und Energie für sich in Anspruch nehmen. Es will uns neu gründen. Aus den festlichen Augen heraus, wird somit gerade auch das sogenannte Alltägliche von einem Glanz der Besonderheit überzogen. So findet es potentiell in seine Erneuerung hinein, und vielleicht zu einer Unschuld, die allem Geborenwerden normalerweise mitgegeben ist.

Der Gedanke des Festes ist integral in seiner Bezugnahme auf das ganze Leben und alle Lebensformen. Die Mühsal des Seins wird nicht verdrängt. Sie gehört spiegelbildlich zur Zufriedenheit, so wie Lebensfreude und die Empfindung des Vergehens auch.
In seinem Grundauftrag kann das Fest somit als ein Fortwährendes gesehen werden, als Teil einer alles übergreifenden kosmischen Liturgie des bewussten Seins. Es ist kein singuläres Ereignis, kein Event. Es drückt eine grundsätzliche Haltung dem Leben gegenüber aus. Wo diese Haltung im Herzen lebt, lebt das Fest als Feier des Seins.

Dein ganzes Leben werde zu einem Fest.
Bedenke:
Es ist später, als du glaubst…

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