Stille Felder der Verbundenheit

clausAllgemein

„Nichts entzieht sich der Darstellung durch Worte so sehr,
und nichts ist doch notwendiger, den Menschen vor Augen zu stellen,
als gewisse Dinge, deren Existenz weder beweisbar noch wahrscheinlich ist, welche aber eben dadurch, dass fromme und gewissenhafte Menschen sie gewissermaßen als seiende Dinge behandeln, dem Sein und der Möglichkeit des Geborenwerdens um einen Schritt näher geführt werden.“
(Hermann Hesse lässt dies im Prolog zu „Das Glasperlenspiel“ den fiktiven Scholastiker Albertus Secundus sagen.)

Nicht nur der Mystik, sondern auch wissenschaftlichen Einsichten, von der Biologie bis zur modernen Physik, verdanken wir die Gewissheit darum, dass es unbekannte und für uns normalerweise unsichtbare Räume und Dimensionen gibt. Wenn auch die Messbarkeit und das In-Augenschein-Nehmen fehlen, so lassen sie sich nicht nur erahnen, sondern in der Stille spüren. Vorausgesetzt, wir sind offen und bereit für entsprechende Wahrnehmungen.
Zu jenen Räumen gehören die Resonanzfelder des miteinander verbundenen Lebens. Derer sind wir im Sinne des Wortes teilhaftig, als Leben inmitten von Leben. Entsprechende Wahrnehmungsmöglichkeiten folgen dem Grundsatz der Ähnlichkeit. Je verwandter und vertrauter, desto stärker ist die Wahrscheinlichkeit, sich in spürbarer Resonanz zu bewegen.
Dazu nun können wir einen entscheidenden Beitrag leisten. Wie gesunde Garten- und Ackerflächen auch, benötigen die Felder der Verbundenheit Zuwendung und Pflege. Sonst verwildern sie. Zwar mag Verwilderung auch ihren eigenen Charme, ja ihren eigenen lebensdienlichen Wert haben, doch auf unseren Innenwegen wird klare Wahrnehmung dadurch getrübt.

Resonanz spüren und erfahren wir in unserem inneren geistigen Raum. Dort sind wir mit unserem Wesensgrund verbunden. Jederzeit lässt sich hier Heimstatt finden, denn es ist das wahre Zuhause. Und mit nahezu Allem kann von hieraus in Verbindung getreten werden.
Als Medium dazu dienen der Atem und eine tiefe, und zugleich überaus wache Stille. Sie klingt umso klarer, je mehr ich sorgsam entscheide, welche Informationen in meinen Innenraum gelangen und welche nicht; was ich von Außen aufnehme und was nicht. Entscheidend dabei scheint: Was fördert die Entwicklung des geistigen Feldes, seine Ausdehnung auch über mich hinaus und zugleich seine Verfeinerung?

Die Erde ist umspannt von geistigen Feldern, die Leben miteinander in Verbindung bringen und halten. Die Felder der Menschenwesen existieren dabei entfernungsunabhängig. Sie werden getragen von großen Ideen, von Glaubensvorstellungen, von Liebe, von Seelenverwandtschaft und von einer unstillbaren Sehnsucht nach dem Absoluten. Wir spüren das mit dem Herzen, sind ergriffen und ruhen in einer unantastbaren Gewissheit. Das stärkt nicht nur den einzelnen Menschen, sondern mit ihm zugleich wiederum das gesamte Feld. Kontinuierlich richtet es sich neu aus, vom Einzelnen kommend, ins Grenzenlose weisend.

Mit dieser, nicht nur in der Stille gepflegten Bewusstseinsenergie, leistet der Mensch den größten Dienst, den er an der Gemeinschaft, an dem Netzwerk der Verbundenheit vollbringen kann. Eine unsichtbare und doch höchst wirksame Form der Kooperation entsteht, die nur durch Bewusstsein und hingebungsvolles Innehalten gesteuert wird. Sie vermag Entwicklungen vorzubereiten und zu begleiten, die sich eines Tages aus der Stille und der Verborgenheit in die Sichtbarkeit öffnen und in Kommunikation einen ersten Ausdruck finden. Manchmal erwachsen große Bewegungen daraus, manchmal kleinere Kontakt- und Bewusstseinsräume, die gleichwohl als unverzichtbarer Nährboden für das Größere und die Evolution des Wir dienen.

Es ist wohl wahr, dass wir Veränderungen in der Welt und auf der Erde oft erst erkennen und akzeptieren, wenn wir sehen was geschieht und vor sich geht und wie die Dinge Gestalt annehmen. Doch ohne die vorbereitenden geistigen Felder geschähe nichts wirklich Nennenswertes. Gleichwohl sollte bewusst sein, dass Feldenergien sich dabei grundsätzlich in jede Richtung aufbauen und entwickeln können. Dazu gibt die Geschichte mannigfach Beispiel. Um so wichtiger und umso schöner zu sehen, wie jede Frau und jeder Mann zu jeder Zeit ihren Beitrag leisten können, dass sich das Antlitz der Erde und die Gemeinschaft des Menschlichen verschönern. Jeder noch so unbedeutend scheinende Gedanke der Liebe, der Vergebung, der Versöhnung und der Ehrfurcht vor dem Leben haben daran einen maßgeblichen Anteil.

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