Heut in der Früh

ClausAllgemein

Die Nacht ist noch im Übergang zum Licht
Die Menschenwelt noch leise
Meine Stube ein Schutzraum
vor dem wilden Belieben
von dem das mediale Rauschen
auch heute wieder raunen wird

Noch von Stille umfangen
auf dem Hocker kniend
im Seelenfeld ruhend
das uns so weit überspannt
wie der Atem nicht trägt

Ins Unendliche spüren
Der Ewigkeit Raum geben
Im Wissen
dass Endliches
in sich verbleiben muss
Begrenztes nie in Unbegrenztes reicht
bis es eines Todestages
darin zerfließt

Das nicht Vorstellbare hat keine Gestalt
das nicht Berechenbare kein Zahlenwerk
das Ewige kein zeitliches Maß
die wahre Sehnsucht keine Koordinaten und kein Objekt

Grenzenlosigkeit vermag ich nicht zu denken
Immer tauchen ein Anfang und ein Ende auf
melden sich Bezugspunkte, Träume, Illusionen

Gefangen in der Erfahrung
eingewoben in Konzepte
beherrscht von Wünschen
spürst du die Ketten um deinen Geist

Sie zu sprengen drängt der Wille
und vermag es nicht
Nimmt sich zurück
Ergibt sich in Einsicht
und sanfte Resignation
hin in den fließenden Strom der Zeitlosigkeit

Erwartungsfrei ernüchtert
Stille jetzt erst ahnend
Gott erkennend
ohne zu verstehen
Mit zerbrochenem Wissen
aber wachsender Gewissheit

Und vor dem Fenster
aus dem ich schaue
bewegt im ersten Sonnenstrahl
ein Windhauch leise
die frühherbstlichen Blätter

Winkend geben sie Kunde
„Du bist nicht allein“

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