Das rechte Maß und die Liebe

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Man kann den Zustand von Mensch und Erde in dieser Epoche durchaus umschreiben als: Verlust von Maß und Mitte. Unmäßigkeit nährt die Wurzelkraft des Kapitalismus. Grenzen zu verletzen, scheint dem Wesen des Menschen seit jeher beigegeben. Deshalb taucht die Suche nach dem rechten Maß auch in der Lehre der kardinalen Tugenden seit Platon als die vierte und letzte auf. Für unsere Zeit, in der sich in allen Lebensbereichen nun die Folgen angestauter Maßlosigkeit drastisch zeigen, hat sie entsprechend eine alles überragende Bedeutung. Die Schöpfungswirklichkeit verfügt in ihrem Grundsatz über das angemessene Maß in allen Begebenheiten und Wesenheiten. Symbiotisch ruhen die … weiterlesen

Die dritte Tugend

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Vier Kardinaltugenden lehrt die scholastische Ethik nach Thomas von Aquin (1225-1274): Klugheit/Vernunft, Gerechtigkeit, Tapferkeit und das angemessene Maß. Tapferkeit kommt in diesem Vierklang die Aufgabe zu, das durch die Klugheit als gerecht und als gut Erkannte herzustellen bzw. zu bewahren. Das aber hat seinen Preis.So gibt es den tiefen inneren Zusammenhang zwischen der Tapferkeit eines Menschen und der wesenhaft mit ihm verbundenen Verwundbarkeit. Nur weil diese grundsätzlich immer mit im Spiel ist, können wir uns überhaupt in eine Handlungsweise begeben, die wir als tapfer bezeichnen. Im Letzten reicht Tapferkeit bis zum Tod. Sie schließt also die Bereitschaft ein, für das … weiterlesen

Über das Ende der Zeit

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Seien sie auf einen Atomkrieg hin orientiert, auf die Klimakrise, das Artensterben oder eine Pandemie: Außergewöhnlichen Bedrohungen scheint es eigen zu sein, dass sie mit Befürchtungen von einem Ende der Zeit einhergehen. Ja, der sogenannte Fortschritt selbst taucht dabei als todesorientierter Verursacher auf. So schrieb etwa Wladimir Solowjew (1853-1900) in „ Drei Gespräche“, veröffentlicht im Jahr 1900: „Ich bin der Meinung, daß der Fortschritt, das heißt, der bemerkbare beschleunigte Fortschritt, immer ein Symptom des Endes ist.“ Und Stanislaw Jerzy Lec (1909 – 1966), dem wir so manche „Unfrisierte Gedanken“ verdanken, über uns: „Ich würde lachen, wenn sie nicht fertig würden … weiterlesen

Das Geheimnis

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Geistliche Hochfeste leben für Menschen, die sich in deren Tradition eingebunden sehen, von der Gemeinschaft. Man teilt eine Botschaft, feiert die Liturgie, verschmilzt mit dem rituellen Geschehen. Die gemeinsame Erfahrung kann verbinden und stärken. Ostern gilt im christlichen Kulturraum, so wie Jom Kippur im Judentum und das Ramadan Fest im Islam, als das Fest der Begegnung schlechthin. Was bleibt, wenn staatliche Anordnungen dies untersagen, und ich weitgehend auf mich selber zurückgeworfen bin? Wenn ich es mir zumute, öffnet sich ein neuer Raum, eine Chance zu besonderer Tiefe. Nennen wir es den Geheimnisraum. Und Ostern wäre nicht, ohne genau dies – … weiterlesen

Journalismus desaströs – ein Zwischenruf

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Von vorneherein sei klargestellt: Wir verdanken dem Qualitätsjournalismus nahezu alles an aufbereitetem Wissen, das die öffentlichen gesellschaftlichen Diskurse bestimmt. Dazu gehören aufgedeckte politische Skandale, Hintergrundwissen in den bedeutendsten gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen sowie meinungsbildende Klarheit. Professioneller und unabhängiger Journalismus ist für Demokratie und Menschenrechte konstitutiv. Und dies sollte gerade in einer Zeit erinnert werden, in der ein Donald Trump, ein Boris Johnson und gelegentlich auch ein Friedrich Merz ihn grundlegend in Frage stellen. Der Qualitätsjournalismus in Deutschland, Österreich und der Schweiz befindet sich weltweit zudem in einer außerordentlichen Position, was Vielfalt, Solidität und Integrität betrifft. Um so verheerender ist das, … weiterlesen

Die längste Reise

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Die Dehnung der Zeit durch Bewegung und Gravitation, wie Albert Einstein sie in seiner Relativitätstheorie beschreibt, bezieht sich auf äußere, auf physikalische Prozesse. Diese sogenannte „Zeitdilatation“ ist meß- und berechenbar. Anders die Dehnung der Zeit in unserer subjektiven Wahrnehmung. Ihr Messinstrument ist die Empfindung. Ruhe, Entschleunigung und vor allem Stille sind ihre besonderen Verursacher. Durch die Dehnung der persönlichen Empfindungszeit eröffnen sich neue Blickweisen mit einer ganz eigenen Tiefenschärfe. Es ist wie bei einem Akkordeon, das die Verzierungen auf dem Balg dem Blick erst freigibt, wenn das Instrument auseinandergezogen wird. Wir erleben momentan eine für unsere Kultur völlig außergewöhnliche persönliche … weiterlesen

Strahlenkranz der Pandemie

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Es liegt eine außerordentliche, eine evolutionäre Chance in dem Geschehen, das die Menschheit überraschte wie ein Dieb in der Nacht. Ohne irgendetwas an persönlichen Schicksalen verharmlosen zu wollen, müssen wir die weltweiten viralen Prozesse in diesen Tagen als einen dramatischen Weckruf der Evolution sehen. Wir erhalten das Angebot zu einem Crashkurs in der überlebensnotwendigen Umkehr und Neuausrichtung. Alles deutet jedoch vorerst darauf hin, dass wenn die Infektionswellen abflachen und schließlich versanden, die Wirtschafts- und Mobilitätsturbinen wieder hochgefahren werden wie bisher. China macht das gerade vor, um den Wachstumseinbruch in Grenzen zu halten. Die Regierung Trump kündigt es unabhängig von der … weiterlesen

Ruhe legt sich über das Land

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Der Mensch der Gegenwart hat sich selbstgewiss in dem Glauben eingerichtet, er sei der Regisseur in dem Drama, das seine Lebensverhältnisse und Lebensbedingungen aufführt. Ja, er sei nur dann eigentlich er selbst, wenn er dieser Einbildung keinen Zweifel gegenübersetze. Covid 19 schreibt das Drehbuch neu. Der Regisseur gibt ungewollt nun den Komparsen, mit wechselnden Kostümen. Besonders beliebt ist dabei das des Cricetus, auch Hamster genannt. Doch die schwere narzisstische Kränkung, die mit dem Entzug der Handlungsvollmacht einhergegangen ist, kann nicht ansatzweise dadurch besänftigt werden, dass die Wände der heimischen Burg mit Mehl, Toastbrot, Seifenspendern und Toilettenpapier verstärkt werden. Wirklich mehr … weiterlesen

Bote und Begleiter

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Es scheint mir nicht leicht, etwas in Worten zu umschreiben, das unseren sinnlichen Augen nicht oder nur indirekt zugänglich ist. Es macht es auch nicht leichter, wenn man dabei auf herrschende theologische Lehren und Lehrsätze genauso verzichten will wie auf esoterische Gefühlsduselei. Hinweise soll allenfalls das geben, was sich seit Jahrtausenden in der Tiefenkultur der Menschheit als Bewusstsein und als innere Regung bei unzähligen Menschen beheimatet und verankert hat. Es geht um Engel. Das Wort hat seinen Ursprung im griechischen angelos, der Übersetzung des hebräischen mal’akh, was göttlicher Bote, Gesandter meint. Engel tauchen nicht erst mit den Hochreligionen wie Judentum, … weiterlesen

Der andere Blick

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Manchmal frage ich mich, was Augen sähen, die aus einer anderen Dimension auf das Erdgeschehen und unser alltägliches Tun blickten. Einzelne Menschen, Länder, ja die Menschheit an sich würden sich als etwas zeigen, das nahezu vollständig in sich selbst verfangen ist und sich darin verliert. Von Nachrichten gelähmt, die Sinne in das Geschehen der äußeren Welt hineingesaugt, im Kontrollgriff selbstbezogener Bedürfnisse und Erwartungen, präsentierte sich der Mensch als Spielball einer großen Illusion. Während die Erde in stetem Rhythmus ihre Kreise durch das Sonnensystem zieht, „Dinge“, Lebensformen, Zeitalter hervorbringt und wieder überwindet, sieht er sich selbstverliebt im Zentrum des Geschehens und … weiterlesen