Wir sind kosmische Wesen in einem Unendlichkeitsraum. Gelegentlich spüren wir das. Es entsteht, was Resonanz genannt wird, nicht nur im Bewusstsein, sondern bis in die Empfindung hinein. Manchmal erreicht uns aus diesem Raum ein „Wort“, das wir ewig nennen, weil wir es als über den Zeiten stehend und unantastbar wahrnehmen. Dann erhebt sich ein Erahnen jener Größe, in deren Mitte wir leben.Dieses Sein nicht nur zu erkennen und hinzunehmen, sondern uns darin als teilhaftig und mitgestaltend zu verstehen, erfordert eine besondere Hinwendung. Sie ist verbunden mit einer Haltung, die über bloßes Interesse hinausreicht. Hinter der Neugier muss eine Sehnsucht erwacht … weiterlesen
Langsam haben sie sich verloren
Sie waren wie BrüderWie Vertraute in verwahrloster ZeitDie Begegnungen seltenOhne überflüssige WorteKein Gerede über AndereAuf den gemeinsamen Streifzügen durch Sein und Sinn Das Gesagte gewählt und gewogenHorizonte öffnend jenseits der Sprachehinüber zum Raum der gemeinsamen Heimat In die Zeiten hinein manchmal ein GrußElektronisch oder postalischNicht mehrWussten sie doch umeinanderEntlastende Kontaktfreiheit Langsam wurde es stillerVerbliebene Lebenszeichen verklangenZur Weihnacht oder dem Geburtstag Unbemerkt geschah dasUnbewusst gleichwohl als Frage wahrgenommenWie ein Verschwinden ohne AbschiedWie ein Vorübergehen ohne Blick Sie waren dabei sich zu verlierenIn innerer FremdheitDie anwuchs mit der äußeren Distanz Nicht willentlich sind sie gegangenEs geschah grundlosEinfach soIm Verrinnen der Wochen und … weiterlesen
Kann man sich selbst verlieren?
In der Geschichte der Literatur, vor allem der deutschen Romantik, war es ein tragendes Motiv: die Auflösung des Ich, die als Verlust empfundene Preisgabe des Selbst oder auch das völlige Verschmelzen mit den Sehnsuchtsdimensionen im Raum der Transzendenz.In einer verdinglichten und zerrissenen Welt wurde die schleichende Selbstentfremdung des Gegenwartsmenschen zum willkommenen Marktmodell für psychologische Ratgebertexte. Orientierungsschwierigkeiten, innere Leere und die Empfindung unablässiger Überforderung führen zu Fremdheit in der eigenen Leiblichkeit und dem Gefühl von der eigenen Seele abgeschnitten zu sein. Wer seine Grenzen und deren Bedürfnisse nicht kennt und ihre Notwendigkeit nicht respektiert, dem droht der Bruch mit seiner Identität. … weiterlesen
Flügel der Ohnmacht
Für eine kurze Spanne nur eingebunden in den Fluss des Ewigen, blicken wir fortwährend in den Spiegel unserer Endlichkeit. Das alleine wäre als existentielle Kränkung schon hinreichend. Doch Endlichkeit als Begrenztheit und Begrenzung setzt sich als Seinsprinzip fort. Sie spart nichts aus. Dem einen fällt das gar nicht auf, ist Teil seines unhinterfragten Selbstverständnisses. Der anderen wird zur stetig neuen Herausforderung, Streben und Verwirklichungschance mit einander in Einklang zu bringen. Das hat dann etwas von alltäglicher Wallfahrt.Ohnmacht wird dabei zur treuen Freundin. Scheitern ein verlässlicher Wegbegleiter. Verzagen tritt ein in diesen Kreis der Vertrauten, zu denen sich gelegentlich allerdings auch … weiterlesen
Ethisch leben heißt: Vergeben
Vergebung entlastet das Zwischenmenschliche. Gruppen, Völkern und Nationen bereitet sie den Friedensweg. Sie ist dabei nicht nur auf den Moment gerichtet, sondern weit in die Vergangenheit und die Zukunft hinein. Als außerordentliche Anforderung schließt sie ein, sich selbst zu vergeben und damit entwicklungsfähig zu halten. In den abrahamitische Religionen spielt Vergebung vor allem eine Rolle als das von Gott her Erbetene. Im Judentum ist dafür Jom Kippur als Tag der Buße und der Versöhnung der höchster Feiertag. Im Islam dient der Fastenmonat Ramadan u. A. der versöhnenden Zuwendung. Im Christentum ist Vergebung in dem Sakrament der Beichte institutionalisiert. Doch reicht … weiterlesen
Die Spaltung überwinden
Links und Rechts: Die Unterteilung hat eine lange Geschichte. Sie reicht bis in die Sitzordnung der französischen Nationalversammlung nach 1789 zurück. Daraus entstanden wirkmächtige Orientierungsmuster zur Einteilung in politische Strömungen, die bis heute Gültigkeit haben. Doch die inhaltliche Aussagekraft ist im Laufe der Jahrzehnte geschwunden. Zunehmende Komplexität und Unüberschaubarkeit der politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse – national und international – spielen dabei eine Rolle. Sie sind verbunden mit einem Wegbrechen tradierter Gewissheiten auf nahezu allen Ebenen. Geblieben sind Kampfbegriffe, die manchmal der eigenen Vergewisserung dienen, vor allem aber zur Diskriminierung Andersdenkender eingesetzt werden. Sie spalten das Land in gut und … weiterlesen
Ethos und Politik
Lose Gedanken zur politischen Kultur Die herrschende Politik der Gegenwart leidet unter einem dramatischen Überzeugungs- und Glaubwürdigkeitsproblem. Aus wahrhaft mannigfachen Gründen. Wohl selten, wenn überhaupt jemals in der Geschichte unseres Landes steht dem politischen Handlungsanspruch eine Komplexität und Verschränktheit von Problemlagen gegenüber, zu deren Bewältigung die alten Denkweisen, Problemlösungsorientierungen und Strategien nicht mehr hinreichend sind. Eine völlige Visionslosigkeit tritt hinzu. Wohin wollen wir, jenseits der verbissenen Verwaltung von Unzulänglichkeiten? Dass ein Volk ohne Vision zugrunde gehe, mahnte bereits das biblische Buch der Sprüche an (29,18). Wofür genau stehen die das politische Feld bestimmenden Parteien und Handlungsträger – neben den unerträglich … weiterlesen
Jenseits von Gewalt – oder: Wie finden wir zu einem angemessenen Geschlechterverhältnis?
Es ist an dieser Stelle wohl unnötig, auf das oft Unerträgliche in den Geschlechterverhältnissen näher einzugehen. Es mag genügen, auf die Probleme hinzuweisen, wenn Männer Frauen nicht respektieren, wenn sie Grenzen missachten und Gewalt in Beziehungen tragen; dass es erschrecken muss, wenn Mädchen in einer Gesellschaft aufwachsen, in der Grenzverletzungen und sexuelle Gewalt als reale Bedrohungen wahrgenommen werden, nicht selten im eigenen Zuhause und durch die Nächsten.Jeder Einzelfall fordert Zuwendung. Die Empfindungen Betroffener und sich betroffen Fühlender verdienen wahrgenommen und respektiert zu werden. Denn sie haben ihre eigene zu akzeptierende Wahrheit, ohne dass man sich zu einer Begründung genötigt sieht … weiterlesen
Die Krone der Schöpfung
Wer kennt diese Geschichte, und gar ihr Ende überhaupt noch?Und wer respektiert ihre Botschaft für das eigene Leben und dessen Umfeld? Nach dem biblischen Buch Genesis erschuf die Gottheit am ersten Tag das Licht und trennte es von der Finsternis. Die Erschaffung des Himmelsgewölbes und das Scheiden von Wasser und Luft füllten den zweiten Tag, bevor am Dritten nach der Trennung von Wasser und Land die Vegetation entstand. Sonne, Mond und Sterne treten am vierten Tag in die Wirklichkeit und gehen Meeresbewohnern und den Vögeln am Himmel voraus. Schließlich folgen am Tag sechs die Tiere des Landes und der Mensch … weiterlesen
Credo II
Es verwundert die Einsicht, zu sein… Doch ich glaube an den Sinn.Er erschließt sich aus dem puren Sein.Sein ist Sinn.Ich glaube an den Sinn als Wesenheit.Dass Sinn und österlicher Geist eins sind.Sie dem universalen Geschehenund der Evolution des Menschen Grund geben.Dass sie uns ergreifenund im Innern berühren und verwandeln wollen. Ich glaube an eine Grundordnung der Dingeund an die natürlichen Gesetze.Sie umfassen Kosmos, Natur, Kultur und Gesellschaft.Sie geben dem Leben Koordinaten, Orientierung und Halt. Im Rahmen dieser Gesetzeglaube ich an den Wert von Freiheit, Unterschiedlichkeit und Vielfaltund dass alles seinen rechten Ort und seinen rechten Platz hat…Ich glaube an den … weiterlesen










